Mönchengladbach. Ein junges Unternehmen zu gründen, gilt spätestens seit der VOX-Erfolgsshow „Die Höhle der Löwen“ als sexy. Wie viele Fehler dabei aber gemacht werden können, ist nur wenigen Gründern richtig bewusst. Mitte November gab es deshalb in Mönchengladbach ein „Fitnessprogramm für Gründer“.

Unter Federführung der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach (WFMG) fand die Gründerwoche „STARTUP MG“ statt, die 15 Veranstaltungen bei zehn Partnern beinhaltete. Das Programm sollte denen, die bereits ein Unternehmen gegründet haben, Möglichkeiten zur Diskussion und zum Netzwerken geben, vor allem aber sollte potenziellen Gründern das notwendige Rüstzeug an die Hand gegeben werden. „Unsere Hoffnung ist, dass durch die Gründerwoche Projekte auch über diese Zeit hinaus entstehen und es eine nachhaltige Entwicklung von Startups in Mönchengladbach gibt“, sagt Rafael Lendzion, Projektleiter bei der WFMG.

Der aktuelle Gründerreport der Industrie- und Handelskammer zeigt, dass Mönchengladbach für Gründer interessanter wird; alleine 2016 wurden hier 2.280 neue Unternehmen gegründet. „Mönchengladbach hat das Potenzial dazu, eine ,Start-up-City‘ zu werden; die innerstädtische Aufbruchsstimmung und Dynamik machen sich auch in der Gründerszene bemerkbar“, sagt Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners. Neben der WFMG unterstützten die Blauschmiede, der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW), Co 21Coworking, der Handelsverband Nordrhein-Westfalen Rheinland, die Hochschule Niederrhein, die Industrie- und Handelskammer, „Neostarter“, der Verein „nextMG“ und Westend.MG die Gründerwoche.

 

 

Auch, aber nicht nur im Fokus stand das Thema Digitalisierung. „Natürlich gibt es immer mehr Startups, die in diesem Bereich unterwegs sind, aber letztlich hat jeder, der neu gründet, auch mit Digitalisierung zu tun. Zum Beispiel geht es darum, Kunden online zu gewinnen“, sagt Stefan A. Wagemanns vom BVMW. Eröffnet wurde die Gründerwoche von einem erfolgreichen Gründer aus Mönchengladbach: Rolf Schrömgens ist der Kopf der Hotel-Metasuchmaschine „trivago“. Vor zwölf Jahren von dem Gladbacher gegründet, wird das Unternehmen heute auf einen Wert von 4,3 Milliarden Euro taxiert. Ansonsten bot die Gründerwoche Menschen mit Geschäftsideen auf dem Weg in die Selbstständigkeit interessante Workshops, Seminare und Wettbewerbe an.

Die WFMG zog ein mehr als positives Fazit der Gründerwoche: „Das Feedback aller Veranstalter und zahlreicher Teilnehmer zeugt von einer sehr erfolgreichen Startup MG“, resümiert Michael Bahrke, Projektmanager Digitalwirtschaft bei der WFMG. „Das gibt allen Beteiligten eine Menge Rückenwind für die nächsten Wochen und Monate.“
Die Auftaktveranstaltung mit TrivagoGründer Rolf Schrömgens im TIG mit über 200 Besuchern hatte die Erwartungen der Veranstalter weit übertroffen. Sehr konkret mit der Gründung eines eigenen Start-ups beschäftigten sich die Workshop-Teilnehmer beim Gründercoaching „Start-up – Check-up“. In diesem Rahmen wurde detailliert mit den jeweiligen Coaches zu Themen wie der Geschäftsmodellentwicklung, Finanzierung, Steuern oder Marketing zusammengearbeitet.

Ebenfalls positives Feedback zog die Impulswerkstatt „Aufbruch. Anders. Arbeiten“ im CO21 nach sich, bei der sich 25 Teilnehmer sehr intensiv mit Fragen zum Wandel der Arbeitswelt und ihrer Gestaltung auseinandergesetzt haben. Die größte Reichweite dürfte der „Neopitch“ bei „Neostarter“ gehabt haben: Über den Livestream auf Facebook konnten fast 8.000 „Besucher“ erreicht werden und wurden so Zeuge eines spannenden Events, bei dem sieben mutige Jungunternehmer im Fokus standen.

 

 

Eine der wichtigsten Erkenntnisse nach der Gründerwoche lautet: Die Mönchengladbacher Gründerszene lebt! „Wir haben eine aktive Gründerszene, die etwas bewegen will“, weiß Mark Nierwertberg, Vorsitzender des jungen Vereins nextMG, der neben der digitalen Transformation auch die Gründungsaktivitäten in der Vitusstadt fördern will. Mit der Gründung des Digitalvereins nextMG und den regelmäßigen meetups hat die Sicht barkeit der Szene deutlich zugenommen. Jeden ersten Dienstag im Monat treffen sich mit steigender Tendenz zwischen 30 und 50 Akteure der Digitalszene. „Diese Sichtbarkeit ist wichtig, da erst dadurch ein intensiver Austausch zustande kommt, der allen Mitgliedern der Szene nutzt“, betont Michael Bahrke. „Ohne diese Einbindung in das Netzwerk hätten es die Gründer von Cakerella, Gourmy, Megamarsch oder Okiko, um nur einige zu nennen, sicherlich schwerer gehabt, ihr Vorhaben effizient umzusetzen.“ Die Gründerszene in Mönchengladbach entwickele sich sehr dynamisch und werde in nächster Zeit weitere ganzjährige Unterstützungsleistungen durch nextMG und seine Partner angeboten bekommen.

Die Pläne zur nächsten Gründerwoche 2018 sind bereits angelaufen. „Neben den bewährten Partnern werden wir aktiv auf weitere Akteure zugehen, um zukünftig einen größeren Kreis zu erreichen. Hierzu zählt beispielsweise das Handwerk. Auch bei Gründungsinteressierten aus der Hochschule Niederrhein sehen wir noch Potenziale, die wir zukünftig erschließen wollen“, so Bahrke.

-jfk

 

GRÜNDUNGSWOCHE – DIE PARTNER

www.blauschmiede.de

www.co21.de

www.neostarter.de

www.westendmg.de

www.bvmw.de/moenchengladbach

www.nextmg.org

www.wfmg.de

 

Zum Titelfoto: Sie wollen Gründern Starthilfe geben (von links): Michael Bahrke (WFMG), Andree Haack (IHK), Jan Kaiser (Handelsverband NRW), Thomas Boccaccio, Thomas Klein und Roghmal Alami (alle Neostarter), Christoph Schlee (CO 21), Stefan Sturm (Westend MG), Stefan Wagemanns (BVMW), Ulrich Schückhaus und Rafael Lendzion (beide WFMG).
Foto: Hans-Peter Reichartz

Teilen