Mönchengladbach. Rückblende, April 1928. Es sind die Ostertage, an denen zum ersten Mal überhaupt junge Menschen an den Werkmaschinen der Firma Schlafhorst an der Landgrafenstraße stehen, um dort ihre Ausbildung zu starten. Heute, fast auf den Tag genau 90 Jahre später, sind die Maschinen moderner geworden, und „Schlafhorst“ existiert heute nur noch als Erinnerung. Ausgebildet wird an selber Stelle immer noch, und das ist dem Ausbildungsverbund (AV) Mönchengladbach zu verdanken, namentlich Geschäftsführerin Vera Kamlowski und ihrem Bruder, dem langjährigen Ausbildungsleiter Frank Winkels. Dank ihres Engagements und ihrer unerschütterlichen Zuversicht existiert die Ausbildungsstätte weiterhin, mehr noch: Sie ist zu neuer Blüte erwacht.

 

Über 60 industrielle Unternehmen aus der Region nutzen heute die Kompetenzen des AV, um ihre Auszubildenden dort in den verschiedensten Lehrberufen ausbilden zu lassen. „Pro Jahr bilden wir hier bei uns zwischen 160 und 200 junge Menschen aus“, erklärt Ausbildungsleiter Frank Winkels – Tendenz steigend. „Unser Ziel für 2018 ist, ab September mit mindestens 30 neuen Azubis zu starten, und es sieht gut aus“, ergänzt Vera Kamlowski lächelnd.

 

Vor knapp drei Jahren hat sie die Position der Geschäftsführerin übernommen – für den AV war dies wohl Rettung in letzter Sekunde, anderenfalls hätte die so wichtige Einrichtung, inzwischen eine Gladbacher Institution, wohl ihre Pforten schließen müssen. Seitdem hat sie zusammen mit Frank Winkels dem Ausbildungsverbund neues Leben eingehaucht und fit für die Zukunft gemacht.

 

Der Ausbildungverbund feiert 90. Geburtstag – unter anderem mit Benjamin Reiners von Schlafhorst, Ausbildungsleiter Frank Winkels, AV-Geschäftsführerin Vera Kamlowski, CDU-Landtagsabgeordneter Jochen Klenner, Lutz Wächter (Ausbildungsleiter a.D.) und Bürgermeister Michael Schroeren (von links). Foto: Hans-Peter Reichartz

 

Ein kurzer Ausflug in die Historie: Nach der Gründung im Jahr 1928 und den Wirren des 2. Weltkriegs nahm die Ausbildungsstätte von Schlafhorst 1948 wieder ihren Betrieb auf. 1965 folgte der Bau eines neuen Ausbildungszentrums an der Landgrafenstraße. Im Jahr 1994 wurde der Gedanke geboren, den Ausbildungsverbund in seiner heutigen Form ins Leben zu rufen. Nun bildete Schlafhorst nicht nur für den eigenen Bedarf, sondern auch für andere Firmenkunden aus. Ab 1998 wurde die Umschulung und Weiterbildung für Elektro- und Metallberufe dazu genommen. 2014 wurde schließlich der AV Ausbildungsverbund MG GmbH gegründet, weil Firmeninhaber Oerlikon Verkaufsabsichten hatte. Im Februar 2015 nahmen die langwierigen Verhandlungen mit der Übergabe an die Familie Stephan und Vera Kamlowski schließlich ein gutes Ende, und so konnte das Ausbildungszentrum für Verbundpartner sowie Umschüler in Mönchengladbach erhalten bleiben.

 

Aber auch wenn der Ausbildungsverbund auf eine lange Tradition in der Vitusstadt zurückblicken kann, so ist das Portfolio der Einrichtung immer noch nicht allen Firmen bekannt. „Viele denken, wir wären die Ausbildungsstätte von SMS Meer“, schüttelt die Geschäftsführerin den Kopf, „dabei sind wir nur auf deren Gelände ansässig, ansonsten aber völlig autark.“ Dieses „Missverständnis“ will Vera Kamlowski weiter aufklären und auch anlässlich des stolzen 90. Geburtstags kräftig Werbung in eigener Sache machen, denn der Ausbildungsverbund kann wertvolle Arbeit für hiesige Unternehmen leisten.

 

„Oft fehlen den Betrieben die Ausbildungsinhalte, die gemäß Ausbildungsrahmenplan vermittelt werden müssen. Das übernehmen auf Wunsch gerne wir“, so Kamlowski. Vom Schüler- und Hochschulpraktikum über die klassischen Bereiche Ausbildung und Umschulung bis hin zur professionellen praktischen Begleitung während eines Dualen Studiums reicht die breite Palette des Verbunds. Ebenso gehören Weiterbildungsangebote im handwerklichen Segment zum Portfolio von Ausbildungsleiter Frank Winkels und seinem Team.

 

Vera Kamlowski unterstreicht für die Zukunft: „Firmen bemühen sich und haben den Willen, ihre Auszubildenden bestmöglich zu unterstützen. Dabei gilt es, jede Qualität eines Jugendlichen zu fördern und zu fordern.“ Den jungen Menschen will die AV-Chefin klar machen, „dass es auch ohne Abitur und sogar manchmal ohne Mittlere Reife geht. Diese Abschlüsse sind nicht zwangsläufig notwendig, um später einen guten Beruf und ein adäquates Auskommen zu haben.“

-jfk

 

IM NETZ
www.ausbildungsverbund-mg.de

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