Mönchengladbach. Es ist der Tag, dem alle Auszubildenden, Umschüler und Verantwortliche des Ausbildungsverbunds Mönchengladbach (AV) entgegenfiebern: Am Sonntag, 15. September, findet der traditionelle „Tag der offenen Tür“ am Flughafen Mönchengladbach statt. „Stargast“ an diesem Tag soll die Junkers F13 Nachtigall sein, die seit langem in den Hallen des Ausbildungsverbunds aufwändig restauriert wird. Nur einmal zuvor, für den Veilchendienstagszug 2016, durfte die „Nachtigall“ ihr Nest für einen Tag verlassen – allerdings mit gestutzten Flügeln: Der Rumpf der F 13 war Teil des Karnevalswagens des AV. Mitte September soll sie nun in ihrer ganzen Pracht am Flughafen Mönchengladbach Blicke auf sich ziehen.

 

Schick gemacht wird sie dafür von den AV-Lernenden, die in den Räumen des Ausbildungsverbunds derzeit entweder eine handwerkliche Ausbildung oder eine Umschulung absolvieren. „Jeder, der bei uns bislang an die F 13 Hand anlegen durfte, war begeistert. Schließlich ist für junge Menschen etwas ganz Besonderes, an solch einem tollen Exponat zu arbeiten“, weiß AV-Geschäftsführerin Vera Kamlowski. Schon seit vier Jahren befindet sich die (fluguntaugliche) Nachbildung der legendären Maschine in der Obhut des Ausbildungsverbunds, selten konnte an ihr – aufgrund der ständigen Fluktuation an Auszubildenden – kontinuierlich gearbeitet werden. Nun aber ist der Endspurt angesagt, und Kamlowski hofft, dass bis zum „Tag der offenen Tür“ die Restaurationsarbeiten so gut wie abgeschlossen sind. Eine Herausforderung wird dann noch der Transport der „Nachtigall“ zum Flughafen Mönchengladbach werden, für den die Maschine mit einer Spannweite von knapp 18 Metern wie beim ersten Ausflug erneut „gestutzt“ werden muss; die Tragflächen sollen dann vor Ort montiert werden.

 

Die Wiederherstellung des Modells in den Originalzustand bedurfte erheblicher Anstrengungen: Es galt nicht nur rund 3.000 Nieten zu erneuern, sondern auch intensive Recherchearbeit zu leisten. So mussten beispielsweise Möglichkeiten für die Wiederaufbereitung der verwitterten Vollgummireifen und des Fahrwerkes gefunden werden. Da keine Pläne und Zeichnungen existierten, mussten alle Bauteile neu vermessen und die Kosten für ihre Restaurierung bzw. Herstellung kalkuliert werden. Außerdem mussten fehlende und zu ersetzende Teile neu konstruiert und gebaut werden, wie beispielsweise das Armaturenbrett, welches originalgetreu angefertigt wurde. Die stark in Anspruch genommene Oberfläche bedurfte einer fachgerechten Bearbeitung, und im Innenraum der Passagierkabine fielen aufwändige Holz- und Lederarbeiten an.

 

„Unser Kundenstamm erweitert sich stetig“
AV-Geschäftsführerin Vera Kamlowski

 

Die Arbeiten an der Junkers F 13 waren in den vergangenen Jahre für die Schüler des Ausbildungsverbunds freilich immer nur die Kür, die Pflicht war das Bestehen der angestrebten Ausbildung bzw. Umschulung, immer in Kooperation mit den jeweiligen Unternehmen, die ihre Azubis zum AV schicken. Geschäftsführerin Vera Kamlowski ist stolz, „dass uns immer mehr Firmen wieder entdecken und sich unser Kundenstamm stetig erweitert.“ Pro Ausbildungsjahr lernen beim AV im Schnitt 170 Schüler, zu Hoch-Zeiten sind es bis zu 220. Neben den klassischen Ausbildungsberufen der Metall- und Elektroindustrie sowie im kaufmännischen Bereich bildet der AV seit einiger Zeit auch zum technischen Produktdesigner aus.

 

Ganz neu ist die Kooperation des Verbund mit der „Academy Vocational“ (siehe INFO). „Wir sind weiterhin in Schulen und auf Berufsmessen unterwegs, um unser Portfolio vorzustellen. Ganz eng ist die Kooperation mit unseren Partnern wie der Wirtschaftsförderung und der Agentur für Arbeit Mönchengladbach“, betont Geschäftsführerin Vera Kamlowski.

 

Und weil das duale Ausbildungssystem aus Deutschland immer mehr zum Exportschlager wird, werden die AV-Verantwortlichen rund um Ausbildungsleiter Frank Winkels regelmäßig in andere Länder eingeladen, um über das deutsche Ausbildungsmodell zu referieren. „2016 waren wir zu Gast in Jordanien, 2018 in Indien. Auch die Deutsch-Ita lienische Handelskammer mit Sitz in Mailand hat schon unser Know-how angefordert“, berichtet Winkels nicht ohne Stolz.

-jfk

 

INFO
Anfang Juni 2019 hat die „Academy Vocational Winkels Hofmann UG“ in den Räumen des Ausbildungsverbunds Mönchengladbach ihren Betrieb aufgenommen. Ednana Hofmann Winkels wird, mit der Unterstützung von Ehemann und AV-Ausbildungsleiter Frank Winkels, die Geschicke der neuen Academy leiten. Die Einrichtung wird in einem ersten Schritt Lehrgänge anbieten, die auf weiterführende Prüfungen bei der IHK bzw. HWK vorbereiten. So werden ab sofort Lehrgänge zur Vorbereitung auf die Ausbildereignungsprüfung nach AEVO angeboten. Ab September werden dann zusätzlich Industriemeister unterschiedlicher Fachrichtungen sowie ab Anfang 2020 Lehrgänge zum Weiterbildungspädagogen IHK und Berufspädagogen IHK ausgebildet.

 

JUNKERS F 13 Nachtigall
Anno 1919 war die F 13 das erste Flugzeug der zivilen Luftfahrt, das aus Metall anstelle von Holz und Stoff gefertigt wurde und in einer geschlossenen Passagierkabine zunächst vier, schließlich sogar zwölf Fluggäste in der beheizten Kabine quer durch Europa flog. Auch in den USA, Südamerika, China, Russland und Afrika machte sie Furore. Sie brach mehrere Flugrekorde und wurde zur wichtigsten Vorstufe der später berühmt gewordenen Ju 52/3m. Insgesamt wurde bis 1932 eine Anzahl von 322 Flugzeugen dieses Typs in der Junkers Flugzeugwerft AG gebaut. Da in dem nach dem 1. Weltkrieg besiegten Deutschland Flugverkehr nicht zugelassen war, wurde die F 13 in Teilen gefertigt und in Kisten verpackt nach Amerika verschifft und dort zusammengebaut. Mit einer Spannweite von 17,75 m und einer Höhe von 3,50 m ist die F 13 ungefähr halb so groß wie die legendäre Ju 52.

 

IM NETZ
Informationen zum Ausbildungsangebot des AV gibt es im Internet unter www.ausbildungsverbund-mg.de.

 

Bildunterschrift (oben): Adrian Delissen und Francesco Tandurella absolvieren beim AV eine Umschulung zum Industriemechaniker und helfen, die F 13 wieder flott zu machen.

Fotos: Andreas Baum

 

„Eine „Nachtigall“ als Stargast“ ist ein aktueller Beitrag aus der
August-Ausgabe unseres Magazins Wirtschaftsstandort Mönchengladbach.
Hier geht es zur kompletten ePaper-Ausgabe des Magazins.

 

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