Hugo_Janker_Hangar

Die „Ju 52“ ist das bekannteste Flugzeug der Luftfahrtgeschichte. Ihre markante Silhouette macht sie unverwechselbar, ihre Robustheit anscheinend unverwüstlich. Nach ihrem Erstflug im Mai 1932 bewährte sie sich so gut, dass die Lufthansa die Ju 52 zu ihrem Standardflugzeug machte. Sechs Jahre später wurden fast 75 Prozent des gesamten Luftverkehrs mit ihr abgewickelt. Eine der weltweit letzten acht noch flugfähigen Modelle ist in Mönchengladbach stationiert. Fotos: Event-Hangar MG GmbH

Der Hugo Junkers Hangar ist die neue Event-Location der Vitusstadt. Unter den Tragflächen der „fliegenden Legende“ können auf der großen Hallenfläche Veranstaltungen aller Art stattfinden.

Mönchengladbach hat eine neue, attraktive Event-Location mehr: Mit dem Hugo Junkers Hangar, der im Juni diesen Jahres offiziell eröffnet wurde, haben die Verantwortlichen ein Kleinod geschaffen, das sich zum Publikumsmagneten für Mönchengladbacher und Auswärtige entwickeln soll. „Das Feedback war bislang durchweg positiv, der Hangar ist bei allen, die schon vor Ort waren, sehr gut angekommen“, weiß David Bongartz, Prokurist bei der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach (WFMG) und Geschäftsführer der eigens gegründeten Event-Hangar Mönchengladbach GmbH. Blickfang in der Halle ist natürlich die Junkers Ju 52, auch liebevoll „Tante Ju“ genannt, eine der letzten flugfähigen Ju 52/3m mit der Kennung HB-HOY. Das Flugzeug gehört dem Verein der Freunde historischer Luftfahrzeuge e.V. (VFL) und wird von der JU AIR betrieben. Von den weltweit acht flugfähigen Ju 52-Flugzeugen sind neben der HB-HOY lediglich vier weitere für kommerzielle Rundflüge zugelassen. Die „Mönchengladbacher Tante Ju“ aus dem Jahre 1949 wurde vom VFL restauriert, sodass sie seit 1997 wieder flugtauglich ist. In Mönchengladbach bleibt sie aber in der Regel am Boden, kann wahlweise in oder vor den 1.000 Quadratmeter großen Hangar geschoben werden und dient als imposante Kulisse bei Events jeglicher Art. Im seitlichen Gebäuderiegel befinden sich drei Seminarräume, ein großzügiges Foyer und eine moderne Küche. Die Silhouette des Gebäudes greift die gebogene Form eines typischen Hangars auf und überspannt eine lichtdurchflutete Halle. „Die optimale Verkehrsanbindung, ausreichend Parkraum und die Nähe zum Großraum Düsseldorf machen diese Location auch über die Stadtgrenze hinaus attraktiv“, hofft Bongartz auf ein großes Einzugsgebiet für den Hangar. „Der Hugo Junkers Hangar bietet ein großes Potenzial“, ergänzt Bongartz‘ WFMG-Kollegin Anette Harings, die das Projekt ebenfalls seit der ersten Stunde begleitet. „Unsere Aufgabe ist es nun nach der Fertigstellung, diese Potenziale zu erarbeiten und vorzustellen.“ Dafür präsentiert die WFMG den Hangar auch in Zukunft beispielsweise auf einschlägigen Fach- und Tourismus-Messen.

Hugo Junkers – der Steve Jobs des frühen 20. Jahrhunderts
Für David Bongartz ist der Hugo Junkers Hangar auch eine willkommene Gelegenheit, mehr über dessen Namensgeber erzählen zu können. „Junkers war so viel mehr als ein Luftfahrt-Pionier. Er war der Steve Jobs des frühen 20. Jahrhunderts.“ Hugo Junkers wurde am 3. Februar 1859 als Sohn eines Webereibesitzers in Rheydt bei Mönchengladbach geboren. Er studierte Maschinenbau in Berlin, Karlsruhe und Aachen. Er gründete die „Versuchsanstalt für Gasmotoren“ in Dessau sowie das Unternehmen Junkers & Co, in dem Gasbadeöfen, Heizgeräte und Motoren für Flugzeuge, Schiffe und Kraftfahrzeuge produziert wurden. Junkers konnte sein Firmenimperium trotz der Wirtschaftskrise erfolgreich am Markt behaupten, konnte aber eine Enteignung durch die Nationalsozialisten nicht verhindern, da er sich weigerte, seine Flugzeugentwicklungen auch für eine militärische Nutzung voranzutreiben. Junkers musste nach der Enteignung seines Unternehmens Dessau verlassen und verbrachte die letzten Jahre seines Lebens in München, wo er am 3. Februar 1935, genau an seinem 76. Geburtstag, starb.

Seine legendäre Ju 52 begeistert die Menschen bis in die heutige Zeit. Aber auch in anderen Bereichen setzte Hugo Junkers Maßstäbe. So revolutionierte er mit bahnbrechenden Entwicklungen auf dem Gebiet der Thermotechnik die Warmwasserbereitung in den Haushalten und legten damit den Grundstein für sein wirtschaftlich erfolgreiches Firmenimperium. „Insgesamt fast 400 Patente gehen auf Hugo Junkers zurück“, weiß Bongartz. Junkers Pioniergeist brachte auch im Bereich Architektur beachtliche Leistungen hervor. Er verstand sich dabei eher als Konstrukteur, weniger als Künstler. Die Nähe zum ebenfalls in Dessau angesiedelten Staatlichen Bauhaus führte zu erfolgreichen Kooperationen. Das gemeinsame Ziel, durch industrielle Serienfertigung eine funktionale und preisgünstige Lösung für Industrie- und Wohngebäude zu entwickeln, verband Junkers und das Bauhaus zu einer erfolgreichen Allianz. Erkenntnisse seiner Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Metallbaukonstruktion konnten von den Gestaltern des Bauhauses genutzt und weiterentwickelt werden. Freitragende Hallen, die dank einfacher Konstruktion durch Metalllamellen problemlos zu transportieren und aufzubauen waren, entstanden ebenso wie Wohnhäuser, haustechnische Anlagen, Möbel und Gebrauchsgegenstände.

F13 NACHTIGALL

Im Jahr 1919 hob mit der F13 Nachtigall das erste Ganzmetall-Verkehrsflugzeug vom Boden ab und begründet den Beginn der zivilen Luftfahrt. Eine geschlossene, beheizte Passagierkabine für vier Personen war für damalige Verhältnisse eine Innovation, musste man doch bis dahin mit Brillen und warmer Kleidung den äußeren Einflüssen trotzen. Damit war der Weg zu einem komfortablen Personenflugverkehr möglich. Es entwickelte sich sehr schnell ein europaweites Streckennetz mit einem regelmäßigen Flugplan und konkurrierenden Fluggesellschaften, die die Entwicklung immer neuer Flugzeugtypen vorantrieben. Auch in den USA, Südamerika, China, Russland und Afrika machte die F13 Furore. Sie brach mehrere Flugrekorde und wurde zur wichtigsten Vorstufe der später berühmt gewordenen Ju 52/3m. Heute existieren von der F13 weltweit nur noch wenige Modelle. Das Mönchengladbacher Modell schenkte der Flughafen Stuttgart der WFMG im Frühjahr 2013. Eine tatsächlich flugfähige F13 baut derzeit der Verein der Freunde historischer Luftfahrzeuge e.V. nach, die in Kürze wieder durch die Lüfte fliegen soll.

INFO

Das Projekt Hugo Junkers Hangar basiert auf dem Wettbewerbsbeitrag „Die letzte Landung der Ju 52“, der im Jahr 2010 als eines der Gewinnerprojekte aus dem Förderwettbewerb „Erlebnis.NRW“ hervorging. Die WFMG hatte an diesem Wettbewerb teilgenommen. Das eigens zur Durchführung des Projekts gegründete städtische Tochterunternehmen, die Event-Hangar Mönchengladbach GmbH (Tochterunternehmen der Entwicklungsgesellschaft der Stadt Mönchengladbach GmbH), erhielt im Jahr 2013 die Zusage für eine öffentliche Förderung mit EU- und Landesmitteln. Das Gesamt-Investitionsvolumen betrug 4,5 Millionen Euro.