20080517gf0663_SeineHeiligkeitder14.DailaiLama_web

Peter Schlipköter ist seit 14 Jahren Geschäftsführer der Marketing Gesellschaft Mönchengladbach. Was sich seitdem in der Vitusstadt bewegt hat, was die MGMG bewegt hat und was er sich für die Zukunft der Stadt wünscht, erläutert Schlipköter im Interview mit dem Wirtschaftsstandort.

Herr Schlipköter, mit dem Besuch von Königin Silvia von Schweden und des ehemaligen Schach-Weltmeisters und Putin-Kritikers Garry Kasparov durfte Mönchengladbach vor kurzem schon zum wiederholten Mal prominenten Besuch begrüßen. Auf welche Events und Persönlichkeiten freuen Sie sich in den nächsten Wochen?

Da gibt es eine ganze Menge, und die Bandbreite der Veranstaltungen und Locations, die sich in den vergangenen Jahren in Mönchengladbach etabliert haben, ist enorm groß. Beispielsweise der SparkassenPark, wo im Juli mit Lionel Richie, PUR, Andreas Gabalier und Simply Red wieder Musikstars von internationalem Format auf der Bühne stehen werden. Fest im Veranstaltungskalender der Stadt verankert ist inzwischen auch die Sommermusik-Reihe auf Schloss Rheydt, die sich über eine Woche im August erstrecken wird. Bei Klassikern wie etwa dem Ritterfest haben wir es geschafft, diese immer wieder neu zu erfinden, weswegen sich das Ritter- oder auch das Turmfest mit Sparkassen-Triathlon nach wie vor einer großen Beliebtheit in der Bevölkerung erfreuen. Gegen Ende des Jahres sind es dann beispielsweise das Snowboard-Event ARAG BIG X im SparkassenPark oder das Konzert des weltbekannten Chores African Angels, die ein starkes Besucherinteresse generieren werden. Ein Highlight für die Kinder wird wie immer das Taschenlampen-Konzert auf der Wiese der Volkbank-Zentrale in Neuwerk sein.

Diese Anzahl hochkarätiger Events dürften Sie vor 14 Jahren, als Sie ihren Dienst als Geschäftsführer der Marketing Gesellschaft angetreten haben, nicht vorgefunden haben.

Noch nicht einmal ansatzweise. In fast jedem Gespräch, dass ich in den ersten Wochen in Mönchengladbach geführt habe, fiel der Satz: „In Mönchengladbach tut sich gar nichts.“ Ich bin damals angetreten, das zu ändern und hatte mir vorgenommen, in 100 Tagen 100 Persönlichkeiten der Stadt kennen zu lernen und so Kontakte zu knüpfen. Daraus resultierte dann später die Gründung des Initiativkreises MG mit sehr erfolgreichen Veranstaltungsreihen, wie zum Beispiel „Nobelpreisträger in MG“ und „Pioniere der Welt“.

Die Zeiten, in denen der Name Mönchengladbachs nur in Verbindung mit Borussia fiel, sind also vorbei?

Es ist wichtig, dass die Stadt inzwischen auch über andere Kanäle Aufmerksamkeit generiert, aber die Borussia war, ist und bleibt eines der wichtigsten Aushängeschilder Mönchengladbachs. Als ich hierher kam, hat der Verein noch am Bökelberg gespielt. Das heutige Stadion und die Planungen für ein Hotel dort sind im Vergleich zum früheren Status Quo ein Quantensprung. Der Borussia-Park ist inzwischen auch als Event- und Tagungslocation eine feste Größe in der Stadt.

Stilvoll feiern und tagen kann man auch im Haus Erholung und der Kaiser-Friedrich-Halle, die in der Verantwortung der Marketing-Gesellschaft liegen. Welche Rolle spielen diese beiden traditionsreichen Locations in Ihrem Konzept?

Eine große! Beide Häuser sind liebevoll restauriert und bieten alles, was ein modernes Veranstaltungshaus benötigt. Mit flexiblen Raumkonzepten, guten Konditionen und einem ausgezeichneten Catering gehören sowohl die Kaiser-Friedrich-Halle als auch das Haus Erholung zu den Top-Adressen im regionalen Veranstaltungsbereich. Seit Oktober vergangenen Jahres können Paare im Haus Erholung sogar standesamtlich heiraten – und anschließend, wenn sie wollen, dort ihre Hochzeitsfeier ausrichten. Für die Gastronomie in der Kaiser-Friedrich-Halle suchen wir derzeit einen neuen Betreiber, nachdem der Bisherige nach 15 Jahren aus Altersgründen aufhören wird. Die erste Ausschreibung für den Nachfolger zum 1. September 2017 ist veröffentlicht worden. 70 Plätze im Restaurant, dazu 280 in mehreren Gesellschaftsräumen, 1.000 Plätze in der bestuhlten Halle und 2.000 bei Partys müssen unterhalten werden. Ich bin mir sicher, dass wir für die KFH wieder eine gute Lösung finden werden – auch weil man generell feststellen kann, dass die Nachfrage nach Veranstaltungs-Locations jeglicher Größe in Mönchengladbach kontinuierlich ansteigt.

Woran liegt das?

Am deutlich positiveren Image der Stadt. Es spricht sich herum, wenn Persönlichkeiten wie Königin Silvia, Garry Kasparov, Top-Sänger oder Nobelpreisträger nach Mönchengladbach kommen. Wir bekommen inzwischen Anfragen von Fernsehsendern, die verstärkt bei uns drehen wollen, beispielsweise für die VOX-Reihe „Shopping Queen“, die erst kürzlich zu Gast im Minto war.

580G7244_webGräbt Mönchengladbach in dieser Hinsicht schon der Landeshauptstadt das Wasser ab?

Wir sollten nicht den Fehler machen, uns mit Städten wie Düsseldorf oder Köln zu vergleichen. Für Mönchengladbach muss das Ziel lauten, „best in class“ zu sein, sich also mit Städten, die eine ähnliche Einwohnerzahl und Struktur haben, zu messen. In diesem Veranstaltungsranking sind wir sehr gut aufgestellt, wobei ganz klar Qualität vor Quantität geht. Wir haben viele Veranstaltungen in der Stadt – allein die MGMG richtet rund 60 Events in diesem Jahr aus – bei denen es aber durch die Bank einen hohen Anspruch an Inhalt und Organisation gibt. Wenn sich ein Nobelpreisträger entscheidet, in Mönchengladbach einen Vortrag zu halten, dann ist das profilbildend für die Stadt und hat eine hohe Strahlkraft nach außen. Inzwischen konnten wir im Rahmen unserer Reihe schon 26 Nobelpreisträger bei uns begrüßen.

Sie haben eben den Initiativkreis angesprochen, der maßgeblich mitgeholfen hat, eine solche Veranstaltungsreihe in Mönchengladbach zu etablieren.

Ich hatte diese Idee in meiner vorherigen Wirkungsstätte, dem Initiativkreis Ruhr, entwickelt und war mir sicher, dass sie in Mönchengladbach funktionieren wird. Schon nach dem ersten vier, fünf Monaten konnte ich 15 Unternehmer gewinnen, die mit finanziellem, aber vor allem hohem ideellem Engagement den Initiativkreis gründeten. Heute zählt er 32 Mitglieder, darunter sowohl 30 Unternehmen als auch zwei Einzelpersonen. Wir haben damit eigentlich die maximale Größe erreicht, denn wir garantieren jedem Mitglied Branchen-Exklusivität. Zweimal im Jahr kommen die Mitglieder zusammen, um über das Veranstaltungsprogramm zu sprechen. Von Seiten der MGMG machen wir dabei stets Vorschläge, hören uns die Wünsche der Mitglieder an und schauen dann gemeinsam, was machbar ist und was nicht.

2017 wird die Tour de France einen Abstecher nach Mönchengladbach machen. Was bedeutet es für die Stadt, dass sie zum ersten Teil eines solchen Weltsport-Ereignisses wird?

Der Werbeeffekt für Mönchengladbach ist gar nicht messbar. Besonderes Glück ist, dass wir Schauplatz der ersten Sprintwertung sein werden – eine Etappe, die medial immer besonders im Fokus steht. Die Tour de France ist das ideale Zugpferd, um das Thema „Fahrrad“, das in Mönchengladbach ohnehin schon eine große Rolle spielt, weiter zu befeuern. Das Ereignis kann für die Stadt zu einem richtigen Volksfest werden, mit Tribüne, Partyzelten und Musik.

Sie stehen seit 14 Jahren an der Spitze der Marketing Gesellschaft. Wie empfinden Sie jetzt Ihre Aufgabe?

Meine Aufgabe macht mir nach wie vor einen Riesenspaß. Sie ist sehr anstrengend und zeitintensiv, aber eben auch sehr spannend. Und es macht einen auch ein wenig stolz, wenn man sieht, wie sich Events entwickelt haben. Das Turmfest war vor Jahren alles andere als ein Besuchermagnet, heute ist es ein Top-Event, genauso wie das Ritterfest auf Schloss Rheydt. Heute haben wir bei unseren Veranstaltungen ein qualitativ hochwertiges Niveau erreicht – das gilt es jetzt zu halten. An dem Wettbewerb „Höher, schneller, weiter“ wollen wir uns jedenfalls nicht beteiligen.

Es gibt seit längerem intensive Überlegungen, das Profil der Stadt zu schärfen und eine passende Imagekampagne aufzusetzen. Welche Dinge müssen dabei aus Ihrer Sicht berücksichtigt werden?

Eine Zuspitzung auf die Schwerpunkte, die Mönchengladbach setzen will, ist dabei unabdingbar. Ich sehe in diesem Zusammenhang drei zentrale Themen: die textile Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Stadt, das Thema Wissenschaft & Wirtschaft sowie das Feld Kultur & Events. Mönchengladbach ist eine Textilstadt und wird dies, beispielsweise durch die Ansiedlung der Textilakademie, auch künftig bleiben. Sowohl in Sachen Textil als auch im Bereich Wissenschaft haben wir mit der Hochschule Niederrhein ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Dazu kommt mit Borussia ein Name, der Mönchengladbach in ganz Europa bekannt macht. All‘ dies findet sich auch bei dem Thema „Wachsende Stadt“ wieder, ein Paket, das Mönchengladbach in allen Facetten zeigt und das durchweg positiv behaftet ist.

Wenn Sie, bezogen auf die Zukunft der Stadt Mönchengladbach, einen Wunsch frei hätten, wie würde dieser lauten?

Ich würde mir 260.000 Botschafter für Mönchengladbach wünschen! Veranstaltungen, Borussia, unsere Hochschule: Das sind alles wichtige Imageträger für unsere Stadt, aber nichts ist wertvoller, als wenn Menschen positiv über ihre Stadt sprechen. Und das, tun unsere Bürger mehr und mehr, weil sie feststellen, dass sich bei uns eine Menge tut und dass es sich lohnt, Werbung für die Stadt zu machen, in der sie leben und auf die sie stolz sein können. Die Bürger Mönchengladbachs sind der bedeutendste und gleichzeitig preiswerteste Multiplikator, wenn es um Werbung in eigener Sache geht!

Mit Peter Schlipköter sprach Wirtschaftsstandort-Redakteur Jan Finken

 

TERMINE
Samstag, 17. September, 19.30 Uhr: Taschenlampenkonzert mit der Band „Rumpelstil“ (Park der Volksbank Mönchengladbach)
Freitag, 16. Dezember, 20 Uhr: Chöre der Welt in Mönchengladbach – African Angels – Cape Town Opera Chorus (Kaiser-Friedrich-Halle)
Mittwoch, 29. März 2017, 20 Uhr: Pianisten der Welt in Mönchengladbach – Joseph Moog (Kaiser-Friedrich-Halle)
Freitag, 19. Mai 2017, 20 Uhr: 5. Meisterkonzert mit Alexej Gorlatch / Klavier (Kaiser-Friedrich-Halle)
Tickets für diese und andere Veranstaltungen auf www.mgmg.de