Der repräsentative Neubau an der August-Monforts-Straße wird die neue Heimat der Senioren aus dem Altenheim Lürrip und den Verwaltungsmitarbeitern der Sozial-Holding. Visualisierung: Sozial-Holding

 

In Hardterbroich entsteht ein neues Seniorenheim der Sozial-Holding. Auch die Verwaltung der Stadt-Tochter wird dort einziehen. Der Neubau wird künftig Ausgangspunkt vieler Stadtteilbezogener Projekte der Sozial-Holding sein.

Mönchengladbach. Die Vorfreude bei allen Beteiligten, sei es bei den Projektverantwortlichen oder den künftigen Bewohnern, ist schon jetzt förmlich greifbar: Für Anfang Oktober ist die Eröffnung des neuen Seniorenheims in Hardterbroich geplant. Die rund 80 Bewohner des Altenheims Lürrip, das aufgegeben wird, verlassen dann ihr Haus und ziehen dauerhaft in den neuen Gebäudekomplex an der August-Monforts-Straße. Kurz darauf bekommen die Senioren im selben Haus neue Nachbarn, denn rund 50 Verwaltungsmitarbeiter der Stadttochter Sozial-Holding – die auch Bauherr des zwölf Millionen Euro teuren Neubau-Projekts ist – ziehen von der aktuellen Verwaltungszentrale Königstraße in den modernen Neubau. Außerdem findet hier die Begleitung der Altenpflege-Auszubildenden statt, und es werden Seminare für Freiwillige im sozialen Jahr beziehungsweise im Bundesfreiwilligen-Dienst durchgeführt. Für mehr als 200 Menschen wird das Umfeld in Hardterbroich also zu einem zentralen Ort ihres Lebens – weil sie dort wohnen, arbeiten oder lernen.

 

 

„In der heutigen Zeit geht es bei der Betreuung von Senioren um mehr als Unterkunft und Versorgung“
Norbert Post, Aufsichtsratsvorsitzender der Sozial-Holding

 

„In der heutigen Zeit geht es bei der Betreuung von Senioren um mehr als Unterkunft und Versorgung. Es geht um Anschluss an die Wohnbevölkerung, um Treffpunktangebote mit Gleichaltrigen und vielleicht sogar mit der Jugend“, sagt Norbert Post, Aufsichtsratsvorsitzender der Sozial-Holding, im Interview (siehe unten). Das Projekt in Hardterbroich sei in dieser Beziehung beispielhaft. Das Städtische Altenheim Hardterbroich verfügt über 80 Einzelzimmer mit jeweils angrenzendem, behindertengerechten Bad. „Die Zimmer sind vollständig möbliert, auf Wunsch kann aber auch gern eigenes Mobiliar mitgebracht werden“, Ulrich Jansen, Leiter des Altenheims Hardterbroich. Außerdem bietet das neue Seniorenheim kleine Wohngruppen für jeweils zehn ältere Menschen, helle Aufenthaltsräume, Garten und Terrassen sowie eine gemütliche Cafeteria. Ein weiterer Veranstaltungsraum steht für gemeinsame Aktivitäten, Feste und Feiern, aber auch für den Gottesdienst zur Verfügung. Zum Erhalt der Mobilität dient ein Fitnessraum, wo unter fachlicher Leitung regelmäßig Bewegungsangebote stattfinden werden.

 

„An allen Standorten unserer Altenheime ist uns der Kontakt in den Stadtteil sehr wichtig“
Helmut Wallrafen, Geschäftsführer der Sozial-Holding

 

„An allen Standorten unserer Altenheime ist uns der Kontakt in den Stadtteil sehr wichtig. Die Bewohnerinnen und Bewohner unserer Häuser haben hier oft jahrelang gelebt. Wir freuen uns, wenn die Schützen ins Haus kommen oder der Karnevalsverein. Wir pflegen Kontakte zu Kindergärten oder auch zum benachbarten Kleingartenverein. Nicht umsonst lautet unser Motto ,Wir leben Nachbarschaft’“, betont Helmut Wallrafen, Geschäftsführer der Sozial-Holding.

Den Stadtteil Hardterbroich als neuen Mittelpunkt für sich zu wählen, macht aus Sicht der Sozial-Holding mehr als Sinn. Seit über zehn Jahren ist die Stadt-Tochter hier schon mit ihrer Zentralküche beheimatet, seit zwei Jahren unterhält sie mit der Stadt und weiteren Kooperationspartnern das nahe Textil-Technikum im Monforts Quartier, das ab Oktober auch Schauplatz spezieller Führungen sein wird (siehe STICHWORT DEMENZ INKLUSIVE). Hardterbroich wird außerdem Standort für das Projekt URBANLIFE+. „Wir hoffen, dass unser neues Altenheim schnell zu Hardterbroich gehört und die älteren Menschen, wenn Sie in ein Altenheim einziehen, sagen: ,Dann gehe ich ins Altenheim Hardterbroich’“, unterstreicht Geschäftsführer Helmut Wallrafen.

-jfk

 

STICHWORT DEMENZ INKLUSIVE

Das TextilTechnikum bietet ab Oktober spezielle Führungen für demenzerkrankte Besucher an. Möglich wird dies durch das Modellprojekt „Demenz Inklusive – Vernetzte Erinnerungskultur im Monforts Quartier“, das die Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach gemeinsam mit dem TextilTechnikum und der Hochschule Niederrhein durchführt. Die Kosten von 170.000 Euro für das dreijährige Projekt werden zu gleichen Teilen vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW und den Pflegekassen getragen. Vor Ort koordiniert wird das Projekt von Dr. Karlheinz Wiegmann, Museumsdirektor Schloss Rheydt, Diplom-Sozialpädagogin Pia Hermann, Trainerin für Integrative Validation, und Textilpädagoge Holger Hellwig (von links).

 

 

STICHWORT URBANLIFE+
Das Projekt URBANLIFE+ zielt darauf ab, die Selbstbestimmung und Teilhabe von Senioren im öffentlichen Raum zu verbessern. Dazu sollen städtebauliche Objekte in Mönchengladbach mithilfe innovativer Ansätze der Mensch-Technik-Interaktion (MTI) in „smarte“ städtebauliche Objekte transformiert werden, die Senioren bedarfsgerecht technisch unterstützen und es ihnen ermöglichen, sich sicher in der Stadt zu bewegen – zum Beispiel Straßenlampen, die ihre Helligkeit dem Sehvermögen der Passanten anpassen, oder Gehwege, die Fußgänger mit Handicap sicher an Gefahrenstellen vorbei leiten. Forschungspartner ist unter anderem die Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH. Diese hat im Rahmen des Projekts in Hardterbroich und Rheindahlen 6.100 Fragebögen an Einwohner der Generation Ü65 verteilt, über 1.300 Antworten kamen zurück. Diese werden nun ausgewertet und fließen in das Projekt ein. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Projekt bis Dezember 2020.

 

 

INTERVIEW

„Heime werden zur offenen Einrichtung“

Herr Post, in Hardterbroich entsteht ein Bauprojekt der städtischen Tochter Sozial-Holding, in das die Bewohner des Altenheims Lürrip, Verwaltungsmitarbeiter der Sozial-Holding und die Bildungs-GmbH der Holding einziehen werden. Wie ist die Idee zu diesem Projekt entstanden?
Norbert Post: Das Altenheim der Sozial-Holding in Lürrip entsprach nicht den bis 2018 zu erfüllenden Auflagen zu verpflichtenden Einbettzimmern und war auch nicht wirtschaftlich dazu umzubauen. Man fand ein in der Nähe gelegenes verfügbares und sich in die Langzeitplanung eingliederndes Grundstück an der Rheinstraße. Was lag näher, als auch die angemietete Zentralverwaltung dort im Eigentum zu errichten?

Passt der Begriff „Dorf der Generationen“ für dieses Projekt? So lautete einst der Oberbegriff einer Vision, die vor über zehn Jahren Sozial-Holding-Geschäftsführer Helmut Wallrafen und Architekt Burkhard Schrammen entwickelt hatten…
Das wird sich zeigen… Immerhin entstehen in unmittelbarer Nähe ein Kindergarten, eine Zahl von Wohnungen mit Betreuungsmöglichkeiten für Senioren, Nahversorgungseinheiten, Ärztepraxen und die Zweigstelle der Stadtsparkasse. Es gibt schon zwei große Einkaufseinheiten. Quasi ein neues Zentrum.

Glauben Sie, dass das Vorhaben Modellcharakter für andere Projekte in unserer Stadt, aber auch über die Stadtgrenzen hinaus haben kann?
Unsere Stadt besteht aus vielen solcher Kleinzentren. Unter dem Motto „Gemeinsam leben“ bieten solche Kleinzentren sicher eine gute Durchmischung von Jung und Alt, bei der niemand an den Rand gedrängt wird. Die weniger Beweglichen und die Kleinen stehen und wohnen im Zentrum, in das auch Einkäufer kommen, um sich zu versorgen.

Norbert Post

 

Hat das Bauprojekt bereits Sogwirkung in der unmittelbaren Nachbarschaft gezeigt?
Soviel mir bekannt ist, regen sich Anstrengungen, auch Wohnbebauung in die Nähe zu bekommen.

Warum ist der sogenannte Quartiers-Gedanke für die Bewohner von Seniorenheimen so wichtig?
Von der Nahversorgung bis zur Betreuung von Kindern, aber auch vom Verweilen im öffentlichen Raum mit viel fußläufigem Individualverkehr, vom Geld holen bis zum Einkaufen gibt es hier Treffpunkte, Kommunikationsmöglichkeiten und Grundversorgungen, die wesentlicher Bestandteil des Quartiers sind. Schön ist auch, dass sich das Altenheim auch als Treffpunkt für Menschen eignet, die nicht im Heim wohnen, sondern in der Umgebung.

Welche Aufgaben werden die Seniorenheime der Zukunft erfüllen müssen, wie werden sie sich im Vergleich zu heute verändern?
Wie gerade schon angedeutet, geht es um mehr als Unterkunft und Versorgung. Es geht um Anschluss an die Wohnbevölkerung, um Treffpunktangebote mit Gleichaltrigen und vielleicht sogar mit der Jugend. Beispiele gibt es da schon mit gemeinsamen Spiele- und Erzählnachmittagen. Die Heime haben sich geöffnet und werden noch mehr zur offenen Einrichtung werden. Auch in dem Sinne, dass Pflegekräfte des Heims vielleicht noch zuhause lebende Senioren bei Hilfebedarf aufsuchen.

Die Sozial-Holding ist einer der Protagonisten beim Bundesforschungsprojekt URBANLIFE+. Worum geht es bei diesem Projekt?
Es geht um die Anpassung des urbanen Lebens an die Bedürfnisse der Menschen und hier insbesondere der Senioren. Da ich als Gehandicapter oder Senior vielleicht nur langsamer den Zebrastreifen an der Ampel überqueren kann und eine längere Grünphase brauche, wird bei urban life+ untersucht, wie dies leichter steuerbar ist. Dieses kleine Beispiel kann man vom Einkaufen bis zum Finden von „aufstehfreundlichen Sitzgelegenheiten“, vom Einstieg in den Bus bis zum Auffinden bevorzugter Wegeverbindungen, von akustischen und visuellen Signalen und durch Bodenbeschaffenheit abgebende Informationen erweitern. Alle Sinne nutzen und die Hindernisse durch Hilfen verkleinern, um in einer Stadt der Zukunft besser zurecht zu kommen, das ist die Aufgabe.

Wie sollen die Erkenntnisse aus dieser Forschungsarbeit in Mönchengladbach bzw. bei der Sozial-Holding umgesetzt werden?
Wir werden zum Beispiel von unserm neuen Heim in Hardterbroich den Weg zum Textilmuseum im Monfortsquartier und im Textilmaschinenmuseum selbst als Erprobung für manche Ergebnisse nutzen. Dabei sollen alle Wahrnehmungen der Menschen genutzt werden, aber auch die Erinnerungen, die weiter zurückliegen, um das Erkennen wieder aufzufrischen.

Norbert Post, ehemaliges langjähriges Mitglied des NRW-Landtags,
ist Aufsichtsratsvorsitzender der Sozial-Holding. Mit ihm sprach
Wirtschaftsstandort-Redakteur Jan Finken