Mönchengladbach. „Es handelt sich um nichts weniger als um eine Revolution in der Textilbranche!“ Hans Gerhard Wroblowski begeistert sich zwar auch nach über 30 Berufsjahren für seinen Job, zu Übertreibungen neigt der Produktmanager der A. Monforts Textilmaschinen GmbH aber nicht. Insofern hat sein Wort Gewicht, wenn er über das neue Verfahren zur Garnfärberei spricht, das im Hause von Monforts entwickelt und auf der jüngsten ITMA in Barcelona, der bedeutendsten Messe für Textilmaschinenhersteller, vorgestellt wurde.

 

„Dieses weltweit einzigartige Verfahren hat sich auf Anhieb zum Messe-Schlager entwickelt. Messebesucher und Vertreter von Ausstellerfirmen kamen ganz gezielt an unseren Stand, um sich die Technik erklären zu lassen“, ergänzt Monforts-Prokurist Klaus A. Heinrichs.

 

Auch der Wirtschaftsstandort war bei der ITMA in Barcelona vor Ort und konnte sich vom Andrang auf der großzügigen Messefläche des Mönchengladbacher Textilmaschinenherstellers überzeugen. Fachmann Wroblowski gönnte sich keine Atempause, um allen Fragen zum neuen Färbeverfahren gerecht zu werden. „Ich bin schon lange in der Textilbranche dabei, aber ein solch‘ großes Interessen an einem neuen Produkt habe ich noch nie erlebt“, staunt er. Eine Erklärung dafür hat er indes: „Es ist ein Färbeverfahren, nachdem die Branche im Grunde seit Jahren oder gar Jahrzehnten gesucht hat. Das Färben von Garnspulen kennt jeder. Für textile Warenbahnen hat Monforts das Econtrol®-Verfahren bereits vor 20 Jahren im Markt etabliert und dies nun auch für das Färben von Garnen weiterentwickelt.“

 

Das neue, von Monforts entwickelte Verfahren ermöglicht das ressourcenschonende Färben von Garnen. Fotos: Monforts

 

Kurze Garnmetragen im Kontinue-Verfahren zu färben, ist dadurch jetzt ökonomischer als je zuvor: Weniger Einsatz von Chemie, wesentlich geringerer Wasserverbrauch und geringere Energiekosten, das sind nur drei der Vorzüge, die das neue Verfahren aus dem Hause Monforts bietet. Die neue Technik passt ideal zu den aktuellen Modetrends, beispielsweise im Denim-Bereich: „Waren bis vor einigen Jahren noch 90 Prozent der Jeans blau oder schwarz, ist die Nachfrage nach colorierten Jeans mit brillanten Farben stark gestiegen“, weiß Hans Gerhard Wroblowski. Diesen Markt zu bedienen, ist nun kurzfristiger und effektiver möglich, weil nicht mehr große Mengen produziert werden müssen.

 

Während das neue Garnfärbeverfahren für die gesamte Textilbranche einen Durchbruch bedeuten kann, eröffnet es Monforts einen komplett neuen Geschäftsbereich. „Neben unseren Kompetenzen im Bereich der Textilveredlung bieten wir nun auch unser Know-how in der Weberei-Vorbereitung an“, betont Nicole Croonenbroek, Vertriebs- und Marketingassistentin bei Monforts. „In Zeiten, in denen auch uns die Strafzoll-Politik der USA und von China zu schaffen macht, kann es für uns nur von Vorteil sein, ein neues Geschäftsfeld zu beschreiten“, ergänzt Heinrichs.

 

Nach der jahrelangen Stagnation in der Entwicklung der Prozesstechnik ist das Monforts-Verfahren ein echter Durchbruch. Und Heinrichs erwartet, dass sich dieses erheblich schneller am Markt etablieren wird als das eingangs erwähnte Econtrol®-Verfahren. „Seinerzeit hat es deutlich länger als drei Jahre gedauert, bis wir den ersten Kunden, damals aus der Türkei, von unserem Verfahren überzeugen konnten. Die jetzt schon riesige Resonanz auf das neue Verfahren stimmt uns optimistisch, dass wir uns damit wesentlich schneller in der Branche positionieren.“

 

Hans Gerhard Wroblowski

Dies auch, weil potenzielle Kunden im hauseigenen ATC-Technologiezentrum von Monforts die Gelegenheit haben, das neue Garnfärbe-Verfahren persönlich und mit ihren eigenen Garnen ausführlich zu testen. Anfang August war eine Delegation aus Indien eine Woche zu Gast bei Monforts, um das Verfahren auf Herz und Nieren zu testen. „Bis zum Jahresende haben sich etliche weitere Kunden angemeldet, unsere Terminbücher sind voll“, freut sich Hans Gerhard Wroblowski über die große Nachfrage.

-jfk

 

INFO
Die Lieferzeit für eine Thermex Hotflue-Textilmaschinenanlage inklusive der neuen Zusatzeinrichtung CYD zum Garnfärben beträgt rund sechs Monate. Gebaut werden die Anlagen mit einer Länge von bis zu 60 Metern im Monforts-Werk in Österreich. Eine Anlage kostet zwischen 1 und 1,5 Millionen Euro.

 

Bildunterschrift (Foto oben):
Im Technologienzentrum von Monforts können Kunden das Färbeverfahren ausgiebig testen.

 

„Textilrevolution aus dem Hause Monforts“ ist ein aktueller Beitrag aus der
August-Ausgabe unseres Magazins Wirtschaftsstandort Mönchengladbach.
Hier geht es zur kompletten ePaper-Ausgabe des Magazins.

 

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