Mönchengladbach / München. Es ist das größte Bauprojekt, das Mönchengladbach je gesehen hat – zumindest das mit dem größten Investitionsvolumen: Das schwedische Unternehmen Catella will eine dreiviertel Milliarde Euro für die Errichtung der Seestadt mg+ investieren. Auf der Immobilienmesse EXPO REAL in München gaben Catella und die Wirtschaftsförderung der Stadt Mönchengladbach nun bekannt, dass die entsprechenden Kaufverträge für die Grundstücke auf dem rund 14 Hektar großen Areal unterzeichnet worden seien. 2020 sollen die Bauarbeiten beginnen, bis zu 2.000 Wohnungen sollen am Hauptbahnhof entstehen.

 

„Die Vertragsunterzeichnung ist ein ganz wichtiger Meilenstein auf dem Weg, das Seestadt-Quartier zu entwickeln“, sagte Klaus Franken, Managing Director von Catella. In der ersten Bauphase sollen 200 Wohnungen an der Lürriper Straße entstehen, dazu rund 6.000 Quadratmeter Gewerbeflächen an der Breitenbachstraße (neben dem bestehenden B & B-Hotel). Franken geht davon aus, dass die ersten Wohnungen in der ersten Jahreshälfte 2021 bezugsfertig seien. Binnen zehn Jahren, so schätzt Mönchengladbachs Planungsdezernent Dr. Gregor Bonin, soll die „Seestadt“ komplett fertiggestellt sein, eventuell früher. Zentrales und namensgebendes Element des Wohnquartiers soll ein rund 20.000 Quadratmeter großer See werden, der sukzessive mit dem Baufortlauf angelegt wird. Für See, Außenanlagen, Wege und Grünflächen investiert Catella weitere 50 Millionen Euro; diese Außenanlagen gehen anschließend in den Besitz der Stadt über – und damit auch die Verantwortung, sich um deren Pflege und Erhalt zu kümmern.

 

Mit der Vertragsunterzeichnung hofft Bonin nun alle kritischen Stimmen, die es bezüglich der Seestadt gab, verstummen zu lassen. Insbesondere die vermeintlich schleppende Planung und der Ruf nach „Baukränen“ (ursprünglich war von einem Baubeginn 2018 oder 2019 die Rede) hatte in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder für Diskussionen gesorgt. Bonin hat dafür wenig Verständnis: „Ein Projekt solcher Größe bedarf genauer und sogfältiger Planung. Die Suche nach einem Investor, die europaweite Ausschreibung, der Ankauf der notwendigen Grundstücke: All‘ dies waren Sachen, die Zeit brauchten. Die Errichtung eines ganzen Wohnquartiers passiert nicht von heute auf morgen“, betonte Bonin in München.

 

In der „Seestadt“ sollen Wohnungen für jeden Geldbeutel entstehen, „für den Oberarzt wie für die Krankenschwester“, erklärt Catella-Chef Klaus Franken. 40 Prozent der Wohneinheiten sollen Bürgern mit geringem Einkommen vorbehalten sein, zehn Prozent entfallen auf den geförderten Wohnungsbau; dies ist auch im Kaufvertrag so dokumentiert. „Eine gesellschaftliche Mischung ist notwendig für ein stabiles Quartier“, betont Franken. Sein Unternehmen sehe das Potenzial Mönchengladbachs und investiere deswegen in die Vitusstadt.

 

Dies tun derweil auch andere: Die Instone Real Estate Development GmbH baut in unmittelbarer Nähe zur Seestadt auf dem REME-Gelände weitere 300 Wohnungen. Auch Catella hatte sich für dieses Areal beworben, von der Stadt jedoch eine Absage bekommen. Für Franken, der zu Stadtdirektor Dr. Gregor Bonin einen engen Draht pflegt, eine Enttäuschung. „Die Pläne für das Reme-Gelände können auch Auswirkungen auf den Baufortschritt bei der Seestadt haben. Man kann nicht zu viele Wohnungen auf einmal auf den Markt bringen.“

 

Überwiegend autofrei mit einem urbanen Freiraumkonzept und in Grün eingebetteten Nachbarschaftsplätzen, so sieht der Siegerentwurf von Instone sowie der Architekten-Planungsgemeinschaft ASTOC Architects and Planners GmbH, Lorber Paul Architekten GmbH und RMP Landschaftsarchitekten für den südlichen Teil des 42.000 Quadratmeter großen REME-Geländes aus. Als städtebauliche Landmarke bleibt die 190 Meter lange denkmalgeschützte Panzerhalle in ihrer zeittypischen Stahlskelettbauweise erhalten. Instone plant hierfür eine Mischnutzung aus Handel, Dienstleistung und Gastronomie. Insgesamt hatten sich sechs namhafte Teams aus Projektentwicklern, Architekten und Landschaftsplanern mit ihren Konzepten beworben.

 

„Das ist eine sehr gute Resonanz und zeigt, dass die Stadt Mönchengladbach mit ihren städtebaulichen Projekten bei Investoren punkten kann“, betont Dr. Ulrich Schückhaus, Vorsitzender der EWMG-Geschäftsführung. „Mit Instone haben wir einen Partner gefunden, mit dem wir das REME-Gelände qualitativ entwickeln können – städtebaulich, architektonisch und ökologisch“, so Stadtdirektor Dr. Gregor Bonin.

-jfk

Foto: Catella