Die Gebäude des Alten Rathauses in Rheydt (grün), von Karstadt (blau) und der Stadtsparkasse (rot) sollen komplett überplant werden und demnächst dem Großteil der städtischen Verwaltungsmitarbeiter Raum bieten. Modell: Stadt Mönchengladbach

 

Mönchengladbach / Rheydt. Seit Jahren darbt die Rheydter Innenstadt vor sich hin. Werden die aktuellen Pläne der Verwaltung Realität, könnte sie zu neuer Blüte erwachen. Denn die Rheydter Innenstadt soll zukünftig im Zusammenhang mit der Strategie „mg+ Wachsende Stadt“ als Verwaltungsstandort ausgebaut und gestärkt werden. Dafür sollen die Gebäudekomplexe des Alten Rathauses (bis auf die denkmalgeschützte Fassade) und von Karstadt komplett umgebaut werden; das Gebäude, in dem derzeit die Rheydter Filiale der Stadtsparkasse untergebracht ist, soll sogar komplett abgerissen und neu gebaut werden.

„Zahlreiche Verwaltungseinheiten könnten so am Standort Rathaus Rheydt zusammengezogen werden, was wiederum die Rheydter Innenstadt deutlich stärken würde“, erklärt Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners. Bislang sind 1.750 Verwaltungsmitarbeiter auf 26 Standorte verteilt; 23 von ihnen würden aufgegeben werden. Der neue Verwaltungskomplex in der Rheydter City böte bis zu 1.500 Beschäftigten Platz. Gemäß des Schlüssels „100 Mitarbeiter auf 75 Arbeitsplätze“, der unter Berücksichtigung von Urlaub, Krankheit und Vakanzen realistisch berechnet sei, würde diese Kapazität vollkommen ausreichend sein, sagt Baudezernent Dr. Gregor Bonin. Er und sein Team haben sich monatelang intensiv mit den Plänen beschäftigt und alles bis ins kleinste Detail durchgeplant.

Bonin: „Dieser Standort ist ein guter und richtiger“

Mehr Raum, eine bessere Funktionalität, eine attraktivere Fassadengestaltung und eine Aufwertung des Stadtraums sind die weiteren Vorteile des vom Technischen Dezernat und dem Beigeordneten Dr. Gregor Bonin entwickelten ersten Überlegungen. „Es ist vor allem eine Frage, wie sich die Kommune als größter Arbeitgeber der Stadt  aufstellt, und was sie für die Mitarbeiter und Bürger gleichermaßen zur Schaffung einer attraktiven Atmosphäre anbietet“, betont Dr. Gregor Bonin. „Dieser Standort ist ein guter und richtiger, stärkt er doch den Standort und ist mit Blick auf die vorliegende Datengrundlage eine wirtschaftliche Lösung“, ergänzt er.

Bonin ist überzeugt, dass ein Verwaltungsneubau notwendig ist, um moderne Arbeitswelten zu schaffen und so vor allem potenzielle neue Mitarbeiter zu werben. „An den aktuellen Verwaltungsstandorten würden in den kommenden Jahren Instandsetzungs- und Sanierungskosten in Höhe von rund 70 Millionen Euro auf uns zukommen“, unterstreicht Bonin. Nicht dazu zählen das historische Rathaus Abtei, das Vitus-Center, in das im vergangenen Jahr unter anderem der Bürgerservice eingezogen ist, und das Gebäude an der Wilhelm-Strauß-Straße. Allein für das in die Jahre gekommene Verwaltungsgebäude Oberstadt an der Aachener Straße wurden Sanierungskosten in Höhe von 20 Millionen Euro ermittelt. Und zählt man die Standorte der Bezirksverwaltungsstellen noch hinzu, wächst der Sanierungsstau auf 72,4 Millionen Euro. Ein Neubau sei nicht nur zeitgemäßer, sondern auch wirtschaftlicher. Grundlage der Überlegungen ist eine Maßnahme des Haushaltssanierungsplans (HSP), die auf eine wirtschaftlichere Unterbringung der Verwaltung insgesamt abzielt, denn: „Wir wollen uns keinen Palast bauen“, betont OB Reiners. „Es muss wirtschaftlich sein, und ich bin mehr als optimistisch, dass uns das gelingt.“ Die Verwaltungsvorlage durchläuft in den kommenden Wochen die politischen Gremien der Stadt.

 

Ein erstes Modell, wie die Front des neuen Verwaltungskomplexes aussehen könnte. Im Rahmen eines Architekten-Wettbewerbs sollen Ideen für die Gestaltung gesammelt werden. Entwurf: Stadt Mönchengladbach

 

Karreé zwischen Limitenstraße und Harmoniestraße

Die baulich-räumlichen Überlegungen für die Konzentration von Verwaltungseinheiten an einem Standort in Rheydt konzentrieren sich auf das Karreé im Bereich zwischen Limitenstraße im Osten, Rheydter Markt und Marktstraße im Norden, Stresemannstraße im Süden und Harmoniestraße im Westen. Im Karreé liegt neben den städtischen Grundstücken, auf denen sich das alte und zum Teil denkmalgeschützte Rathaus und das von der Stadt erworbene Karstadt-Gebäude befinden, auch ein Grundstück der Stadtsparkasse mit ihrer Geschäftsstelle.

Der Entwurf: Bauen im Bestand

Der Entwurf sieht einen Abriss der nicht unter Denkmalschutz stehenden Gebäudeflügel entlang der Limitenstraße und der Gasse Am Neumarkt zwischen Rathaus und Karstadt-Gebäude vor. Stattdessen ist hier jeweils ein Neubau vorgesehen, ebenso ein neues Multifunktionsgebäude im Innenhof des Rathauses. Die offene Gasse Am Neumarkt soll die Funktion einer Magistrale mit neuem zentralen Haupteingang übernehmen. Daran schließt sich das Karstadt-Gebäude an, dessen zurückliegendes 2. Obergeschoss zur Außenkante vorgezogen werden soll. Außerdem sind zusätzliche Raumkapazitäten im jetzigen Innenhof des Karstadt-Gebäudes vorgesehen. Auf dem dritten Grundstück befindet sich die Stadtsparkasse, die Überlegungen anstellt, Büroräume an dieser Stelle aufzugeben und die Geschäftsstelle räumlich zu verkleinern. Die Stadtsparkasse hat bereits signalisiert, ihr Grundstück mit in die Planung zu geben.

 

Altes Rathaus, Karstadt und Sparkassengebäude verschmelzen zu einer nutzerischen Einheit. Das Sparkassengebäude soll dafür komplett abgerissen und neu gebaut werden. Modell: Stadt Mönchengladbach

 

Stimmt der Rat in seiner nächsten Sitzung den Überlegungen zu und beauftragt die Verwaltung, diese fortzusetzen und zu konkretisieren, steht im nächsten Schritt eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung an. Die vorliegenden baulich-räumlichen Überlegungen wären zudem Grundlage für ein dann zu startendes Wettbewerbsverfahren. Während in diesem Jahr die Planungen vertieft werden, erfolgt in 2018 ein Wettbewerbsverfahren. 2019 ginge es dann in die konkrete Planung und Ausschreibung, Baustart wäre 2020, und etwa vier bis fünf Jahre wäre das neue Rathaus fertig. Ob auch der Ratssaal weiterhin seinen Platz in Rheydt oder am Standort Abtei finden wird, ist auch noch offen. Die Möglichkeit, das Mönchengladbacher Rathaus zum Zentrum der Politik zu machen und den Ratssaal in Form eines gläsernen Kubus in den Rathausinnenhof zu setzen, wäre gegeben und gleichfalls zu prüfen.

-jfk