Mönchengladbach. Es war ein intensives Jahr für die Mönchengladbacher Abfall-, Grün- und Straßenbetriebe AöR, kurz mags. Vorstandsvorsitzender Hans-Jürgen Schnaß (Foto oben, mit Geschäftsführer-Kollegin Gabriele Teufel) blickt im Gespräch mit dem Wirtschaftsstandort auf die abgeschlossenen Projekte in 2018 zurück und gibt einen Ausblick auf die mags-Themen für 2019.

 

Herr Schnaß, Sie haben im Vorgespräch zu diesem Interviewtermin gesagt: „Wir können mehr als nur Rolltonne.“ Diese ist zurzeit sicherlich das beherrschende Thema in Mönchengladbach, wenn es um mags geht, wird Ihrem umfangreichen Portfolio aber sicher nicht gerecht, oder?
Hans-Jürgen Schnaß: Das kann ich nur unterschreiben. Es ist völlig verständlich, wenn eine solch einschneidende Veränderung wie die Einführung der Rolltonnen die Bürger bewegt. Nichtsdestotrotz kümmert sich unser Unternehmen um viele weitere Dinge, die in der öffentlichen Wahrnehmung vielleicht gar nicht so präsent sind. Gerade 2018 war für uns ein intensives Jahr, was die Umsetzung von Projekten angeht.

 

Deshalb lohnt sich nun am Ende des Jahres zunächst ein kurzer Rückblick auf die vergangenen Monate. Was waren aus Ihrer Sicht hier die wichtigsten Punkte?
Sehr intensiv haben wir uns in diesem Jahr beispielsweise um die Umgestaltung des Straßenbegleitgrüns an markanten Stellen im Stadtgebiet gekümmert. Dieses Thema ist zum einen aus ökologischer Sicht wichtig, aber auch hinsichtlich der Frage, wie wir den öffentlichen Raum so gestalten, dass er für uns betriebswirtschaftlich am sinnvollsten ist. Glücklicherweise passen beide Aspekte durch unsere Strategie, in diesen Bereichen verstärkt auf Staudenpflanzungen und Blumenwiesen zu setzen, perfekt zusammen. Wir haben damit in diesem Jahr begonnen, werden dieses Konzept in 2019 aber noch deutlich intensivieren.

 

Wo werden diese Veränderungen besonders sichtbar werden?
Beispielsweise an der Aachener Straße, wo wir derzeit schon mit den notwendigen Vorarbeiten beschäftigt sind. Alle Maßnahmen müssen aber in einem Gesamtzusammenhang gesehen werden, denn unsere Philosophie lautet, das Erscheinungsbild der Stadt nachhaltig – mit Betonung auf nachhaltig – zum Positiven zu verändern. Wir sind davon überzeugt, dass dies der richtige Weg ist, um Mönchengladbach weiter nach vorne zu bringen. Dazu gehört neben der Neugestaltung des Straßenbegleitgrüns auch der Bereich Straßenunterhaltung, in den wir allein in 2018 die Summe von rund 6 Millionen Euro investiert haben. Für eine Stadt wie Mönchengladbach ist es wichtig, dass man dauerhaft – eben nachhaltig – diese Infrastrukturmaßnahmen nach vorne bringt, weil das ein wichtiger Standortfaktor ist.

 

„Das Thema Sauberkeit ist bei den Bürgern
noch nicht so im Bewusstsein verankert, 
wie wir uns das wünschen würden“

 

Genauso wie das Thema Sauberkeit in der Stadt…
Absolut; ein zentrales Thema für uns. Die Einführung unserer Müll-Detektive ist eine echte Erfolgsgeschichte, um Müllsündern auf die Schliche zu kommen. Eine Erfolgsgeschichte nicht nur deshalb, weil wir allein in 2018 Bußgelder in Höhe von rund 50.000 Euro verhängt haben, sondern weil es uns vor allem um den Aspekt der Prävention und der Aufklärung geht. Das Modell unserer Müll-Detektive, die werktags, am Wochenende und an Feiertagen, tagsüber und nachts unterwegs sind, wird inzwischen sogar von anderen Städten adaptiert.

 

Wie lautet denn Ihr Fazit für 2018: Ist in Sachen Sauberkeit in der Stadt ein Fortschritt zu erkennen?
Ja, es ist besser geworden, das hängt sicherlich auch mit der Aufklärungsarbeit, die wir – nicht nur in Person unserer Mülldetektive, sondern auch in Kindergärten und Schulen – leisten, und den Sanktionen gegen Müllsünder zusammen. Auch der Verein Clean-up-MG unterstützt dieses Anliegen stark. Aber, und das sage ich auch ganz deutlich: Das Thema Sauberkeit ist bei den Bürgern noch nicht so im Bewusstsein verankert, wie wir uns das vorstellen oder wünschen würden. Es wird nach wie vor viel zu viel wilder Müll abgeladen; unsere Mitarbeiter haben in dieser Hinsicht immer noch gut zu tun.

 

Ein echtes Aufreger-Thema bei den Bürgern sind stets Baumfällungen. Viele können manche Maßnahmen nicht nachvollziehen.
Vorweg: Wir wollen keine Bäume fällen – aber wir müssen sie unter bestimmten Voraussetzungen fällen. Etwa, wenn sie eine Gefahr für den Straßenverkehr oder die Bürger darstellen, beispielsweise bei Stürmen. Das darf man nicht unterschätzen: Es gibt jedes Jahr Unfälle, deren Auslöser etwa umstürzende Bäume waren. Wir können keine Kompromisse eingehen, wenn es um die Verkehrssicherungspflicht geht.

 

Wie stellen Sie fest, ob ein Baum krank ist oder aus anderen Gründen gefällt werden muss?
Jeden Tag, das ganze Jahr über, sind unsere Baumbegeher in der Stadt unterwegs. Experten, die nichts anderes tun, als Bäume zu untersuchen und diejenigen zu melden, die eine Gefahr darstellen.

 

Das heißt, für die sogenannten Sichtachsen, die den Blick auf die Kaiser-Friedrich-Halle oder im Geroweiher freigeben sollten, mussten keine gesunden Bäume dran glauben…
Natürlich entscheidet die Stadt über die Stadtplanung und schlägt den politischen Gremien planerische Maßnahmen vor, die dann in den Gremien entschieden werden. Bei solchen Maßnahmen können selbstverständlich auch Bäume betroffen sein. Ein Gehölzrückschnitt ist etwas anderes. Wir gehen dort jede Maßnahme unter ökologischen Gesichtspunkten an. Wenn Sie sich erinnern, wie der Geroweiher vor einigen Jahren aussah, und wie er heute aussieht, dann hat sich da natürlich etwas getan. Wir haben dort Rückschnitt betrieben, um neuen, jungen Pflanzen Raum zum Wachstum zu geben und die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Ich möchte betonen, dass wir versuchen, immer sehr transparent über die Baumfällungen zu informieren. Und: Mönchengladbach ist und bleibt eine sehr grüne Stadt. Wir haben im Forst circa eine Million Bäume. Darüber hinaus gibt es rund 85.000 Straßenbäume plus etwa 40 Hektar Baumgruppen.

 

Apropos Stadt: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Verwaltung, wenn neue Bauprojekte geplant werden – in dieser Hinsicht tut sich in Mönchengladbach ja eine Menge, wenn ich nur an die Seestadt mg+ denke.
Wir arbeiten eng mit der Stadt zusammen. mg+ ist aus unserer Sicht die richtige Strategie. Grundsätzlich ist es bei neuen Bauprojekten so, dass wir um eine Stellungnahme gebeten werden und eine Empfehlung abgeben. Dabei weisen wir etwa darauf hin, bei Grünpflanzungen den späteren Pflegeaufwand und die Folgekosten möglichst gering zu halten. Oder wir weisen darauf hin, was bei Neubaugebieten berücksichtigt werden muss, damit unsere Entsorgungsfahrzeuge möglichst einfach den Müll einladen können. Wir führen dazu oft mit Bauherren oder den Architekten Gespräche, um entsprechende Hinweise zu geben: Kann der Müll aus einer Tiefgarage abgeholt werden? Ist es ratsam, in den Wohnungen Müllschlucker einzubauen?

 

„Public life – smart measuring“
im Rheydter Stadtwald

 

Große Müllmengen hatten sie wahrscheinlich auch, aufgrund des tollen Sommers, im Rheydter Stadtwald einzusammeln, oder? Sicher nicht alle, die dort grillen, entsorgen ihren Abfall auch richtig.
Wir hatten dort in der Tat gut zu tun; die Leute haben da ja aufgrund der hohen Temperaturen gefühlt 24 Stunden durchgegrillt. Dabei erzielen wir Verbesserungen durch unsere Grill-Scouts, die regelmäßig im Stadtwald präventiv unterwegs waren. Leider hatten wir auch wieder etliche Fälle von Vandalismus, was ärgerlich ist, weil wir gerade an diesem Standort in viele Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität investiert haben.

Der Rheydter Stadtwald ist allerdings auch Objekt eines langfristigen Forschungsprojekts.
Richtig, das entwickeln wir als Partner der Hochschule Niederrhein, die hier federführend ist. Unterstützt wird das Projekt von der Deutschen Telekom. „Public life – smart measuring“, so der Titel des Projekts. Es ist der Versuch, Gestaltung von öffentlichem Raum, Stadtforschung und Digitalisierung zu vereinen. Ziel ist die Entwicklung eines sensorbasierten Systems zur Bestimmung des Nutzerverhaltens in öffentlichen Räumen. Die gemessenen Nutzeraktivitäten dienen zum Beispiel als Basis für die Gestaltung eines naturnahen Spielplatzes im Rheydter Stadtwald.
Eine Besonderheit ist, dass die Wahrung der Anonymität und der Persönlichkeitsrechte der Menschen, die sich im öffentlichen Raum bewegen, im Vordergrund stehen. Es werden also keine persönlichen Daten aufgezeichnet. Zudem kommt das Messsystem ohne Videokameras aus, auf denen möglicherweise Personen zu erkennen wären. Im ersten Jahr des Forschungsprojektes werden erste grundlegende Planungen für den Naturspielplatz erstellt und grundsätzliche Programmierungsarbeiten für das Messsystem durchgeführt. Sichtbare Ergebnisse erwarten wir dann im Frühjahr 2019.

 

 

Was steht im kommenden Jahr ansonsten noch ganz oben auf Ihrer Agenda?
Das wir weiter im Kampf gegen den wilden Müll am Ball bleiben und die Straßenbegleitgrünfächen ökologisch und betriebswirtschaftlich weiterentwickeln. Wir werden uns aber auch verstärkt dem Thema Friedhöfe widmen. Wir haben ja sämtliche städtischen Friedhofsanlagen übernommen und sind dabei, hier einen Strukturwandel zu forcieren. Das sind sehr sensible Prozesse. Bislang haben wir das ganz gut moderiert, vor allem weil wir hier in Mönchengladbach neue Angebote geschaffen haben, wie beispielsweise das Aschefeld. Hier darf die Asche Verstorbener auf ausgewiesenen Feldern verstreut werden, wenn der Verstorbene dies ausdrücklich schriftlich so bestimmt hat. Mittlerweile haben wir schon über 25 dieser Asche-Bestattungen durchgeführt. Als zeitgemäßes Angebot entpuppen sich unsere Baumbestattungen, die sehr stark nachgefragt werden; hier gab es bislang über 130 Bestattungen dieser Art. Auch die neuen Kolumbarien stoßen auf reges Interesse. Mit unserem Dreiklang – Reduzierung der reinen Friedhofsflächen, attraktive Alternativangebote und den Ansatz, die bestehenden Anlagen nicht nur als reine Friedhofsflächen zu begreifen, indem wir beispielsweise Veranstaltungen durchführen – brechen wir bereits in 2018 den Trend der rückläufigen Bestattungen auf den städtischen Friedhöfen; die Zahlen steigen nach vielen Jahren wieder an. Und das ist wirklich ein Erfolg.

 

Ein Erfolg, obwohl es die mags in dieser Form erst seit rund zweieinhalb Jahren gibt…
Ja, und das vergessen viele Leute. Wir können nicht im Handumdrehen alle Bereiche, die teils seit Jahrzehnten brach lagen, auf einen zeitgemäßen Stand bringen; das erfordert Zeit und natürlich auch finanzielle Ressourcen, gerade wenn es um Nachhaltigkeit bei Projekten geht. Wir bemühen uns um größtmögliche Transparenz und stellen uns auch Kritik, wenn sie angebracht ist. Ich glaube aber, dass wir in der kurzen Zeit, in der es mags nun gibt, schon viel Positives bei der strukturellen Erscheinungsweise der Stadt bewirken konnten. Die größte Herausforderung wird für uns auch in Zukunft sein, um Verständnis zu werben, dass man manches erst kernsanieren muss, damit wieder etwas Gutes daraus entstehen kann. Diesen Wandel möglichst allen Bürgern zu vermitteln, wird weiter eine wichtige Aufgabe sein.

 

Zum Schluss die Frage: Basteln Sie schon wieder an Ihrer nächsten PR-Aktion?
Wie meinen Sie das?

 

Im Sommer hat es das „schönste Schlagloch Deutschlands“ sogar in den SPIEGEL und andere bundesweite Medien geschafft. Sie haben das Werk der Mönchengladbacher Künstlerin Maren Dörwaldt auf der Sittardstraße schließlich gerettet…
Das ist zu viel der Ehre. Frau Dörwaldt hat das Schlagloch in Absprache mit uns mit durchsichtigem Epoxidharz aufgefüllt und so zunächst geschützt. Grundsätzlich sind wir froh, wenn wir so wenige Schlaglöcher wie möglich haben – das tut mir Leid für die Künstlerin, aber für die Verkehrsteilnehmer in Mönchengladbach ist das besser so…

 

Mit mags-Vorstand Hans-Jürgen Schnaß
sprach Wirtschaftsstandort-Redakteur Jan Finken

 

Fotos: mags

 

IM NETZ
www.mags.de

 

„Wir wollen das Erscheinungsbild der Stadt nachhaltig zum Positiven verändern“
ist ein Beitrag aus der aktuellen Ausgabe von 
Wirtschaftsstandort Mönchengladbach.
Hier geht es zur kompletten ePaper-Ausgabe.

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