1979 wurde die RAS-Werft am Mönchengladbacher Flughafen gegründet. Inzwischen ist das Unternehmen mit über 250 Beschäftigten einer der größeren Arbeitgeber in der Stadt und der größte am Mönchengladbacher Flughafen. Fotos: RAS

 

Die Rheinland Air Service GmbH möchte am Standort Mönchengladbach weiter wachsen, kann es derzeit aber (noch) nicht. Das Potenzial für zusätzliche Aufträge ist vorhanden.

Mönchengladbach. Auf Paradebeispiele für erfolgreiche Unternehmen kann Mönchengladbach inzwischen auf einige verweisen. Ein wichtiger Player in seiner Branche ist – national wie international – die Rheinland Air Service GmbH. 1979 wurde ihre Werft am Mönchengladbacher Flughafen gegründet; das Unternehmen an sich gibt es seit 1971. Heute, rund vier Jahrzehnte später, ist RAS mit über 250 Beschäftigten einer der größeren Arbeitgeber in der Stadt und der größte am Mönchengladbacher Flughafen. Die Kunden des Unternehmens, das sich im Kerngeschäft der Flugzeugwartung widmet, sind auf der ganzen Welt verteilt. Vor drei Jahren stellte RAS einen zweiten großen Hangar fertig, 4.600 Quadratmeter groß, das Investitionsvolumen lag bei rund 6,6 Millionen Euro. Diese Halle, in der bis zu sechs Turboprop-Linienflugzeuge oder zwei große Boeing 737 Platz finden können, entstand neben dem ersten Hangar, in dem auf etwa 4.000 Quadratmeter bis zu vier große und zwei kleinere Maschinen des Typs ATR 42/72 gewartet werden können.

Eine dritte große Wartungshalle soll folgen, um der steigenden Auftragslage gerecht zu werden. Dieses Vorhaben gestaltet sich noch als schwierig, wie Geschäftsführer Walter Lange erklärt: „Wir planen mit einer Hallengröße von etwa 3.000 Quadratmetern und einem Invest von 4 bis 5 Millionen Euro. Dafür müssten wir jedoch ortsnah ein Ausgleichsvolumen für das durch das Bauvorhaben verlorengehende Rückhaltevolumen im Überschwemmungsgebiet der Niers in ausreichender Größe bereitstellen.“ Es ist allerdings noch fraglich, ob diese ortsnahe Umsetzung aufgrund der flächenmäßig tatsächlichen Gegebenheiten zu bewerkstelligen ist. Findet man mit der zuständigen Unteren Wasserbehörde und dem Niersverband keine gemeinsame Lösung, „können wir nicht expandieren“, erklärt Lange.

Florierendes Kerngeschäft: RAS wartet die Maschinen von Regional- und Geschäftsfliegern, verkauft unter anderem HondaJets und verwertet nicht mehr flugtaugliche Maschinen.

 

Für das Unternehmen wäre dies bitter, schließlich „brummt“ das Geschäft. Jüngster Coup von RAS ist ein Auftrag der pakistanischen Marine: Für die Streitkräfte bauen die Mönchengladbacher Spezialisten ATR 72-500 Passagiermaschinen zu Seeüberwachungsflugzeugen um. Mit diesen will Pakistan künftig sicherstellen, dass sich nicht unerlaubterweise U-Boote anderer Länder der eigenen Küste nähern. Ende 2017 liefert RAS die erste Maschine aus, ein Jahr später die zweite. Weitere Aufträge sollen folgen, aus Pakistan oder anderen Ländern. RAS Geschäftsführer Walter Lange sagt: „Mit diesem Auftrag entwickelt sich unser Unternehmen noch einmal weiter. Für uns ist das ein neues Geschäftsmodell.“ Und ein spannendes. Denn die Flugzeuge sind zwar vor allem mit modernster Satellitenkommunikationstechnik und Systemen zum Aufspüren von U-Booten ausgerüstet. Die sollen aber im Ernstfall auch in die Schranken verwiesen werden können. Beide Flugzeuge verfügen über ein Torpedo-Abwurfsystem. Für diese ganz besonderen technischen Herausforderungen kooperieren die Gladbacher mit einem Fachunternehmen aus Braunschweig.

Walter Lange

Unter anderem dank dieses Auftragspakets wächst RAS weiter. Allein rund 25 neue und hoch qualifizierte Mitarbeiter stellt RAS speziell für den Auftrag aus Pakistan ein. Mit der geplanten dritten Halle könnten weitere Aufträge dieser Größenordnung angenommen werden. „Die zusätzlichen Kapazitäten würden uns helfen, diesen Auftrag mit den nötigen Sicherheitsvorkehrungen, losgelöst von unserem restlichen Geschäft, abzuwickeln“, so der Geschäftsführer. Denn auch das Kerngeschäft von RAS floriert: Es wartet die Maschinen von Regional- und Geschäftsfliegern, verkauft unter anderem HondaJets und verwertet nicht mehr flugtaugliche Maschinen. Die Kunden sitzen nicht nur in Europa, sondern auch in vielen Teilen Asiens, Amerikas und Afrikas.

Flughafen als Event-Standort
Die Firma RAS ist die Triebfeder hinter einer neuen Dynamik am Mönchengladbacher Flughafen, dessen wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt in den kommenden Jahren weiter wachsen könnte. Das liegt an den dort beheimateten und erfolgreich operierenden Unternehmen, aber auch an der neuen Location Hugo-Junkers-Hangar. Dieser ist auch die Tatsache geschuldet, dass „der Flughafen 2016 als neuer Event-Standort für die Pkw-Industrie ausgebaut werden konnte“, wie es im Geschäftsbericht des Düsseldorfer Flughafen, der 70 Prozent der Anteile an seinem Gladbacher Tochterunternehmen hält, heißt. So hätten beispielsweise die nordrhein-westfälischen BMW-Niederlassungen Kunden der M-Reihe zu einer exklusiven Testfahrt auf die Start- und Landebahn MGL eingeladen. Ein Lichtblick angesichts der Tatsache, dass der Standort an der Niersbrücke pro Jahr knapp 2,4 Millionen Euro Verluste einfährt; vor den Restrukturierungsmaßnahmen in den Jahren 2010 bis 2012 war dieser noch doppelt so hoch gewesen. Die Verträge laufen noch bis 2020 – was danach geschieht, ist nach derzeitigem Stand noch völlig offen.

Geht es nach den Verantwortlichen von RAS, so ist die Zukunft des Mönchengladbacher Flughafens durchaus vielversprechend. Nicht umsonst hat das Unternehmen seine zweite Halle so hoch bauen lassen, dass dort theoretisch auch größere Flugzeuge wie beispielsweise eine Boeing 737 gewartet werden könnten. Dazu müsste allerdings die Landebahn verlängert werden – ein weiterer langjähriger Zankapfel zwischen Flughafen-Gegnern und -befürwortern.

-jfk

 

IM NETZ
www.ras.de

 

RAS MEILENSTEINE
2014: Erhalt der Zertifizierung der Federal Aviation Administration (FAA)
– Vertragshändler für Quest KODI
AK und WACO aircraft
– Eröffnung des neuen Hangar in Mönchengladbach
2013: Aviation Center in Windhoek, Namibia erworben
2009: Erhalt der Part 21 Zertifizierung der Europäischen Agentur für
Flugsicherheit (EASA)
2008: Offizielle Ernennung zum Händler für Honda Aircraft in Zentraleuropa
– Flugzeugvertrieb zum Ergänzen des MRO Service hinzugefügt
1998: Umzug zum jetzigen Standort in Mönchengladbach
1996: Wechsel der Geschäftsführung zu Johannes Graf von Schaesberg und Walter Lange
– FBO ausgegliedert, nun am Executive Airport München
1991: Beteiligung an Linienflugverkehr
1985: Erweiterung um zwei Einrichtungen in Düsseldorf und Mönchengladbach
1979: General Aviation Erweiterung in Mönchengladbach
1971: Gründung des Unternehmens