„Jeder kann jederzeit und überall arbeiten. Die klassischen Beschränkungen, die es einmal gab, werden wegfallen“, sagt Expertin Cornelia Daheim. Foto: UME

 

Mönchengladbach. Wie sieht die Arbeit der Zukunft aus? Und wie müssen Arbeitszeitmodelle angepasst werden, damit die Metall- und Elektroindustrie auch zukünftig wettbewerbsfähig bleibt? Nicht nur Cornelia Daheim, Gründerin und Inhaberin von Future Impacts Consulting und Expertin für arbeitsplatzbezogene strategische Prozesse der Technologieentwicklung, referierte als Gastrednerin bei der Mitgliederversammlung der Unternehmerschaft der Metall- und Elektroindustrie zu Mönchengladbach e.V. (UME) über eine sich verändernde Arbeitswelt. Auch der UME-Vorsitzende Albrecht Driescher mahnte in seiner Rede flexiblere Arbeitszeitmodelle an.

Fakt ist: Bis zum Jahre 2030 wird die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland um sechs Millionen sinken. Der Demografiewandel macht sich immer stärker bemerkbar, der Fachkräftemangel nimmt zu. „Allein in den MINT-Berufen fehlen nach einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zurzeit bereits 237.000 Beschäftigte. Dadurch lässt die Innovationskraft zwangsläufig nach. Die Produktivität stagniert und die Finanzierbarkeit der sozialen Sicherung steht zunehmend in Frage“, attestierte Driescher. Der Vorsitzende des regionalen Arbeitgeberverbandes kündigt eine breite Arbeitszeitdebatte an, die von der Arbeitszeitkampagne der IG Metall begleitet werde. Die Arbeitszeitsouveränität für die Mitarbeiter müsse durch eine zusätzliche Flexibilität für die Unternehmen begleitet werden, so Driescher. Befristete Einstellungen, Werkverträge oder Leiharbeit sowie eine Arbeitszeitordnung, die vielleicht noch vor 25 Jahren ihre Berechtigung gehabt hätte, habe mit der heutigen und künftigen Arbeitswelt nichts mehr zu tun. „Wenn Teams vernetzt zusammenarbeiten, über große Distanzen und verschiedene Zeitzonen hinweg, erfordert dies ein hohes Maß an Flexibilität und Selbstorganisation. Insbesondere unsere Arbeitszeitgesetzgebung muss diesem Wandel Rechnung tragen.“ So passe die täglich zusammenhängende elfstündige Mindestruhezeit nicht in die heutige Arbeitswelt. Sie torpediere darüber hinaus auch die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, wenn Beschäftigte zum Beispiel vormittags noch ihre Kinder zum Kindergarten bringen oder am frühen Nachmittag wieder abholen wollen. „Die zur Verfügung stehende Gesamtarbeitszeit muss flexibler und bedarfsgerechter eingesetzt werden können.“

Desweiteren fordert Driescher neben besseren Regeln für eine qualifizierte Zuwanderung mehr MINT-Bildung im Bildungssystem ein. „Keine Investition bringt mehr Rendite wie die Investition in Bildung“, so der Unternehmer. Mit einer Vielzahl an Bildungsangeboten geht die Unternehmerschaft mit gutem Beispiel voran. Dazu gehört das Engagement für die Berufsorientierung mit Unterstützung des hochmodernen M+E Info-Trucks, der vom 26. bis zum 30. Juni erneut im SMS Businesspark Station macht. Zusammen mit der MGconnect-Stifung wurde außerdem die Woche der Metall- und Elektroindustrie mit Berufsparcours und Businesstagen ausgerichtet. Das soll im kommenden Jahr wiederholt werden.

Cornelia Daheim präzisierte die Ausführungen einer sich verändernden Arbeitswelt. Neben einer zunehmenden Automatisierung rücken neue Organisations- und flexible Arbeitszeitmodelle verstärkt in den Fokus. Die Arbeit der Zukunft werde entgrenzt in Zeit, Raum und Inhalt sowie flexibel und mobil sein, so die Expertin. „Jeder kann jederzeit und überall arbeiten. Die klassischen Beschränkungen, die es einmal gab, werden wegfallen.“ Neue Kommunikationsstrukturen, selbstgesteuerte Teams und neue Formen der Führung werden die Arbeitswelt in den nächsten vierzig Jahren massiv verändern.

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