Als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft WFMG und der Entwicklungs-Gesellschaft EWMG dreht Dr. Ulrich Schückhaus an ganz vielen Rädchen, damit Mönchengladbach vom spürbaren Aufwärtstrend langfristig profitiert. Im großen Interview nimmt er Stellung zu allen aktuellen Wirtschaftsthemen.

Interview, Dr. Ulrich Schückhaus, EWMG, WFMG

Dr. Ulrich Schückhaus: „Investoren, die jetzt spekulativ bauen, habe ich mir seit Jahren gewünscht.“ Fotos: Andreas Baum

Herr Dr. Schückhaus, in einem Interview im März 2015 haben Sie festgestellt, dass es in Mönchengladbach eine echte Aufbruchsstimmung gibt. Ist diese jetzt, genau ein Jahr später, aus Ihrer Sicht noch größer geworden?
Ich denke ja, die Stimmung in der Stadt ist noch besser geworden. Besonders spannend ist für mich, dass wir von außen sehr viel positives Feedback bekommen. Wenn man mit Investoren oder Projektentwicklern redet, die bislang einen großen Bogen um Mönchengladbach gemacht haben, sagen diese inzwischen: Wir müssen auf Mönchengladbach schauen, da entwickelt sich eine tolle Geschichte. Ich war kürzlich auf einer Tagung in Berlin, von wo ich ein, zwei interessante Kontakte mitgebracht habe; hier wird es demnächst Folgetermine geben. Wir müssen jetzt überlegen, wie wir das Interesse von Investoren nachhaltig einfangen und diese für den Standort begeistern. Für mich ist es schön zu sehen, dass auf einmal Leute auf uns zukommen, die uns vorher nicht mit dem Hintern angeschaut haben, um es einmal salopp zu formulieren.

Interessant. Sagen Sie das diesen Leuten auch so?
Nein, nicht so direkt. (lacht) Man genießt es eher und sagt: Schön, dass dies jetzt so ist. Man merkt einfach, dass man von außen jetzt anders auf Mönchengladbach schaut. Umgekehrt stelle ich aber auch fest, dass die Mönchengladbacher selbstbewusster werden und ihren Stolz auf die Stadt auch zeigen. Sie nehmen ihre Stadt positiver wahr. Es gibt eine wirtschaftliche Aufbruchsstimmung, aber auch die Bürger sehen, dass sich die Stadt gut entwickelt – beispielsweise im Regiopark, beispielsweise im Nordpark. Die Leute erkennen: Das alles hat es vor zehn, 15 Jahren in Mönchengladbach nicht gegeben. Diese Entwicklungen haben der Stadt ein anderes Bild gegeben. Dabei ist vor allem der Masterplan für die Projektentwickler sehr spannend. Sie erkennen, dass sich daraus einiges realisieren lässt. Es ergeben sich Chancen für die Immobilienwirtschaft – diese waren früher in diesem Maße gar nicht da. Der Masterplan gibt einen Rahmenplan vor und ist ein Alleinstellungsmerkmal, weil so etwas andere Städte vergleichbarer Größenordnung nicht vorweisen können. Und damit werden auch die wirtschaftlichen Parameter plötzlich besser.

„Investoren, die jetzt spekulativ bauen, habe ich mir seit Jahren gewünscht“

Laut einer aktuellen IHK-Umfrage schauen Mönchengladbacher Unternehmen – entgegen dem allgemeinen Trend – eher skeptisch in die Zukunft. Wie passt das mit der Aufbruchsstimmung zusammen?
Man muss das differenzieren. Das eine ist die Stimmung in der Stadt, das andere die Geschäftsentwicklung der einzelnen Unternehmen. Da Mönchengladbach sehr stark exportabhängig ist, gibt es viele Firmen, die von der globalen Wirtschaftslage betroffen sind. Es gibt einige Krisenherde, beispielsweise in Russland oder im Nahen Osten. Für solch einen exportabhängigen Standort wie Mönchengladbach kann das dazu führen, dass einige Unternehmen ihre wirtschaftliche Zukunft nicht so rosig sehen. Aber das hat nichts mit dem Immobilien-Standort Mönchengladbach zu tun. Hier haben wir jetzt Investoren, die anfangen, spekulativ zu bauen – etwas, was ich mir seit Jahren gewünscht habe. Früher scheiterten Projekte an der von den Banken meist verlangten Vorvermietung von 60 Prozent. Heute gibt es Objekte, bei denen es zum Baustart noch keinen Mietvertrag gibt. Derzeit starten die Roermonder Höfe mit rund 7.000 Quadratmetern Bürofläche und an der Steinmetzstraße gibt es ein spannendes Büroobjekt mit 3.000 Quadratmetern, das jetzt an den Markt geht. Wir hatten Gott sei Dank Flächen im Nordpark verfügbar, wo sich jetzt mit der Firma Teleperformance ein weltweit tätiges Unternehmen angesiedelt hat. 400 Mitarbeiter von Teleperformance werden künftig dort arbeiten. Vor vier Jahren hätten wir dem Unternehmen kein Objekt anbieten können, heute gibt es für Interessenten gleich mehrere Optionen.

„In der City Ost brauchen wir ein bis zwei
größere Büro- oder Wohnprojekte“

Sie erwähnten eben das Stichwort „spekulativ bauen“ – das wird auch in der City Ost benötigt. Dezernent Dr. Gregor Bonin sagte, den ersten Investor zu finden, wäre das schwierigste, danach würde der Stein ins Rollen kommen.
Dem ist so: Der erste ist immer der schwerste. Es muss auf jeden Fall jemand sein, der im größeren Stil Flächen benötigt. Wenn der erste kommt und hier nur 1.000 Quadratmeter haben möchte, dann sage ich: Sorry, dass ich nicht diese Aufbruchsstimmung, die man zu Beginn eines solchen Projekts verbreiten möchte. Wir brauchen ein bis zwei größere Büro- oder Wohnprojekte zum Start, dann entwickelt sich auch der Rest.

Interview, Dr. Ulrich Schückhaus, EWMG, WFMGIn der jüngsten Sitzung des Bauabschusses wurden die ersten Planungen bestätigt, die in der City Ost unter anderem eine große Wasserfläche vorsehen. Gibt es schon konkrete Interessenten für dieses Areal?
Noch nicht, wir müssen potenziellen Investoren erst konkretere Pläne vorstellen. Jetzt finden das viele gut im Sinne von: Schön, dass sich hier etwas tut. Sie haben das aber genauso schnell in den Speicher geschoben, weil sie wissen, dass sie in den kommenden zwei Jahren dort nichts bauen können. Wir müssen die City Ost vorab erschließen, vielleicht auch schon einen Teil der Wasserfläche anlegen. Man kann im nördlichen Teil der City Ost, auf der ehemaligen Aurelis-Fläche, beginnen, denn der Roller-Markt auf diesem Gelände bleibt uns noch ein paar Jahre erhalten; das Unternehmen hat dort noch zweimal die Option zu verlängern.
Der Roller-Markt war das erste Objekt, der Bunker an der Erzberger Straße ist ein weiteres Beispiel für strategische Ankäufe durch die EWMG. So kommt die Stadt in den Besitz von Flächen, die sie für ihre langfristige Entwicklung benötigt. Dabei kann es auch passieren, dass solche Objekte für zehn bis 20 Jahre in der Schublade liegen, um sie zu gegebener Zeit wieder herauszuholen. Das ist im weitesten Sinne ein opportunistisches Geschäft: Wenn wir die Chance habe, eine interessante Immobilie zu erwerben, greifen wir frühzeitig zu. So zahlen wir einen adäquaten Kaufpreis. Bei Immobilien, die wir unbedingt brauchen, um eine Planung voranzutreiben, kann sich jeder ausrechnen, wo die Preise landen – das sind dann oft keine marktüblichen Preise mehr. Deshalb versuchen wir, Entwicklungen zu antizipieren und zu überlegen, wo es interessante Objekte gibt, bei denen sich ein frühzeitiger Ankauf lohnt.

Wie viele Jahre schauen Sie denn dabei in die Zukunft?
Mindestens fünf, eher mehr. Dabei hilft uns der Masterplan MG3.0, der eine Leitlinie vorgibt, an dem wir uns orientieren und einordnen können, welche Areale langfristig für uns interessant sind oder interessant werden.

„Die Erschließungsqualität durch den Gladsee
ermöglicht höhere Kaufpreise und Mieten“

Sind Sie denn, wie offensichtlich viele andere auch, Fan von der Idee, in der City Ost einen See anzulegen?
Definitiv. Mit Wasser kann man Emotionen wecken. Es ist schade, dass Mönchengladbach keinen Fluss hat, an dem man flanieren kann. Ich finde, dass jede Stadt, die einen Fluss hat, ein besonderes Flair umgibt. Ich war vergangenes Jahr in London und habe gar nicht gemerkt, wie viele Kilometer ich entlang der Themse spazieren gegangen bin – das habe ich erst auf dem Rückweg gemerkt. Deswegen glaube ich, dass man in der City Ost mit einer Wasserfläche ganz viel erreichen kann. Das heißt aber auch, dass diese Erschließungsqualität höhere Kaufpreise und Mieten ermöglicht. Wenn ich später mein Büro mit Blick auf den Gladsee haben könnte, wäre mir das auch etwas wert.

Interview, Dr. Ulrich Schückhaus, EWMG, WFMGDas heißt, WFMG und EWMG landen früher oder später auch in der City Ost, und Sie haben sich Ihr Büro schon ausgesucht…
Definitiv nicht; der zukünftige Standort der Gesellschaften wird aus guten Gründen politisch festgelegt. Außerdem gilt: Je mehr ich mir etwas öffentlich wünsche, umso unrealistischer wird es… (lacht)

Apropos wünschen: Was wünschen Sie sich für die weitere Entwicklung des Nordparks, etwa für das Grundstück direkt an der Aachener Straße gelegen?
Das ist die Fläche, die im Bebauungsplan unter anderem für eine Automeile vorgesehen ist, wo aber auch andere Nutzungen, wie Büros möglich sind…

Einige Nachbarn wünschen sich dort beispielsweise ein Porsche-Zentrum…
…ich mir auch.

Wann kommt es?
Im Moment gar nicht. (schmunzelt) Im Ernst, ein solch hochwertiges Autohaus würde wunderbar dahin passen, aber Porsche hat einen Standort in Willich, und Mönchengladbach ist dadurch wohl zu nahe. Wir haben bei Porsche angefragt, derzeit ist das aber nicht realistisch. Wenn wir aber weiter wachsen, auch qualitativ, dann steigen auch vielleicht in solchen Fragen unsere Chancen.

„Im Nordpark müssen wir uns entscheiden,
ob wir das Thema Automeile umsetzen wollen“

Wie bewerten Sie die Investition, die van Laack-Eigentümer Christian von Daniels an diesem Standort vorhat? Er investiert dort eine erhebliche Summe in ein Gebäude für zwei Shops und eine Gastronomie.
Finde ich super. Eine tolle Idee mit richtig guter Architektur. Kaspar Kraemer ist wieder verantwortlich für den zweiten Bauabschnitt, und ich finde es richtig klasse, was dort entstehen soll. Es ist richtig und wichtig, dass wir Leute auch von außerhalb in die Stadt holen, die hier planen und bauen wollen. Bitte nicht falsch verstehen: wir haben viele tolle Projekte von hervorragenden Mönchengladbacher Architekten und Bauherren. Aber es ist genauso wichtig, interessante Leute von außen für die Stadt zu begeistern. Ziel muss es sein, eine höchstmögliche Qualität zu erreichen, denn gute Qualität setzt Zeichen für die Zukunft.

Bleiben wir beim Nordpark: Was wird sich dort in den nächsten Monaten und Jahren tun?
Wir müssen uns als Erstes entscheiden, ob wir das Thema Automeile dort umsetzen wollen; es gibt konkrete Nachfragen in diesem Bereich. Ansonsten sind wir im Nordpark gerade dabei, weitere Flächen zu veräußern, überwiegend an Selbstnutzer. Zwei Grundstücke sind verkauft, in diesem Jahr ist Baubeginn. Es handelt sich um Flächen hinter dem Santander-Bau, wo bereits zwei neue Gebäude entstanden sind. Architektonisch spannend wird das neue Hotel im Borussiapark, wo auch in diesem Jahr Baubeginn sein wird. Ferner ist ja noch die Fußballgolfanlage in Planung, die den sportlichen Charakter der Nordparks weiter unterstreichen wird.

Dann gibt es immer noch Flächen von einer Größe zwischen 150.000 und 180.000 Quadratmetern, die zur Verfügung stehen. Was geschieht damit?
Ich bin froh, zukünftig Investoren mehrere Optionen anbieten zu können. Die Flächen in der City Ost werden sicherlich andere Qualitäten und Preisniveaus haben als der Nordpark. Dann muss sich ein Investor entscheiden, ob er einen gut erschlossenen Innenstadtstandort mit perfekter ÖPNV-Anbindung oder einen autotechnisch gut angebundenen Fahrstandort außerhalb der City bevorzugt. Außerdem werden wir für klassische mittelständische Gewerbebetriebe Flächen in Mülfort und Rheindahlen anbieten können. Wir werden immer unterschiedliche Nachfragesituationen haben, auf die wir reagieren müssen.

„Digitalisierung ist unser zentrales Thema für 2016“

Diese langfristigen Zeiträume gelten sicherlich auch für andere künftige Areale, die neu geplant werden, etwas das Gelände Maria Hilf oder das Polizeipräsidium. Wenn wir aber auf dieses Jahr blicken: Was wird sich außerhalb der Immobilienprojekte ganz konkret in 2016 noch tun?
Wenn ich für die WFMG spreche, dann ist Digitalisierung unser zentrales Thema für 2016. Damit werden uns in den unterschiedlichsten Facetten sehr intensiv auseinandersetzen. Wir wollen Unternehmen Angebote machen, etwa in Form von Vortragsveranstaltungen, damit sich diese sich mit der Digitalisierung in der Produktionswirtschaft auseinandersetzen – Industrie 4.0 ist hier das Stichwort. Das zweite Thema, das derzeit einen regelrechten Hype darstellt, ist der Online-Handel. Wir versuchen, von diesem Hype zu profitieren, in dem wir Firmen hierhin holen und fördern, die im weitesten Sinne mit diesen Dingen zu tun haben – siehe Zalando und andere. In den vergangenen zwei Jahren haben wir in enger Zusammenarbeit mit der Hochschule Niederrhein im Bereich Handel extrem viel gemacht, was uns von anderen Kommunen unterscheidet – ich denke etwa an das Projekt „MG bei eBay“, das uns derzeit in alle Medien – BILD, Stern, Spiegel Online, Handelsblatt etc. – bringt. Das zieht Kreise, weil das Projekt in einer Zeit der unsicheren Zukunft des stationären Handels mögliche Alternativen aufzeigt. Mitte des Jahres wird das Projekt in seiner jetzigen Form auslaufen; es wird aber auf jeden Fall eine Fortsetzung geben. So wird die Frage, wie wir unseren stationären Handel weiter online bekommen, ein zentrales Thema bleiben. Und das nicht nur dergestalt, dass wir Marktplatzangebote schaffen, sondern auch überlegen, wie man Angebote des stationären Handels auf Smartphones bekommt, sobald man zum Beispiel durch die Innenstadt spaziert – beispielsweise durch die sogenannte Beacon-Technologie (INFO). Diese Dinge sind schon technisch umsetzbar, und deswegen wollen wir daran mitarbeiten und überlegen, wie wir diese Digitalisierung zum Nutzen von Stadt und Handel vorantreiben können. In diesem Zusammenhang lautet ein Arbeitsauftrag an die WFMG, auch die Umsetzung von freiem WLAN in der Innenstadt zu prüfen.

Sie wollen Unternehmer und Investoren davon überzeugen, dass Mönchengladbach auf einem guten Weg zur „Digital City“ ist. Laut der aktuellen Studie „Index Digitale Wettbewerbsfähigkeit“ des Beratungsunternehmens Deloitte belegt Mönchengladbach in Sachen Digitalisierung unter den 30 größten deutschen Städten den vorletzten Rang, knapp vor Gelsenkirchen. Mönchengladbach sei in dieser Hinsicht nicht wettbewerbsfähig.
Diese Studie wurde – und das muss man erwähnen – erstellt, bevor etwa MG bei eBay oder andere Projekte, die derzeit laufen, berücksichtigt werden konnten. Außerdem muss man bei solchen Studien immer auf die konkrete Fragestellung schauen. Beispielsweise wurde gefragt, wie viele Unternehmen in Mönchengladbach angesiedelt sind, die sich mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen, und da haben wir wirklich noch relativ wenige: Wir sind kein typischer IT-Standort. Wir wachsen zwar überproportional schnell, aber auf niedrigem Niveau. Mit einem Unternehmen wie Teleperformance, das sich jetzt mit 400 Arbeitsplätzen im Nordpark ansiedelt hat und das in der Studie auch nicht berücksichtigt werden konnte, tut sich da etwas. Aber in der Tat können wir da auch noch zulegen. Dazu gehört auch eine gute digitale Infrastruktur, also schnelle, leistungsfähige Verbindungen.

Interview, Dr. Ulrich Schückhaus, EWMG, WFMGWurmen Sie trotzdem solche Ergebnisse?
Wir haben uns ja fast schon daran gewöhnt, in Untersuchungen oder Studien auf den hinteren Plätzen zu landen, zumal wir häufig mit deutlich größeren Städten wie Berlin, Hamburg oder München verglichen werden. Inzwischen haben wir aber das richtige Gefühl dafür entwickelt. Früher war das ein Nackenschlag für uns; heute wissen wir, wie es in der Stadt tatsächlich aussieht und fragen anschließend, was die Parameter sind, die wir verändern müssen, damit wir besser dastehen. Manchmal stimmen auch die von uns selbst publizierten Daten nicht, Beispiel Bevölkerungsprognose: Fast alle Studien prognostizieren eine Abnahme der Bevölkerung bei uns, dabei ist das Gegenteil der Fall. Dies kann dazu führen, dass Investoren aufgrund falscher Daten eine Investitionsentscheidung gegen die Stadt treffen, weil sie ihre Investition langfristig nicht abgesichert sehen. Hier müssen wir dafür sorgen, dass die richtigen Werte in die Rankings einfließen. Manchmal frage ich mich aber auch, was manche Daten mit der Qualität eines Standortes zu tun haben. Was hat beispielsweise die Anzahl der Straftaten oder die Anzahl der DAX-Unternehmen mit der Qualität des Wirtschaftsstandorts Mönchengladbach zu tun? Solche Dinge nehmen wir dann mit Humor; kein Investor wird dies ernsthaft in seine Überlegungen einbeziehen.

„Früher mussten wir nach Köln oder Düsseldorf fahren,
um etwas zu erleben – das ist heute nicht mehr nötig“

Im Zusammenhang mit der angestrebten Digitalisierung steht auch der Breitbandausbau in Mönchengladbach.
Das ist ein heißes Eisen, das wir derzeit gemeinsam mit der Verwaltung schmieden. Der Breitbandausbau ist wichtig für die Wirtschaft, war bislang aber vor allem da verbreitet, wo es eine dichte Wohnbesiedlung und damit möglichst viele Nutzer gab. Dagegen sind Gewerbegebiete wie etwa Güdderath bis jetzt kaum vernünftig angebunden. In dieser Hinsicht wird jetzt aber einiges passieren, so ist etwa die Deutsche Glasfaser hier mit Angeboten unterwegs.

Warum die Deutsche Glasfaser? Ist das für andere Anbieter nicht interessant genug?
Doch, die Stadt wird jetzt beispielsweise auch einen Vertrag mit der Deutschen Telekom abschließen. Die Telekom war bislang Platzhirsch, hat aber viele Bereiche nur gegen Aufpreis mit schnellen Leitungen erschlossen. Jetzt kommt mit der Deutschen Glasfaser Wettbewerb auf. Das ist gut so! Der Unterschied liegt unter anderem in der Technologie. Die Deutsche Glasfaser legt Glasfaser bis ins Haus, die Telekom legt Glasfaser bis zum Verteiler, von dort wird mit einer hochgerüsteten Kupferleitung angeschlossen.

Wenn früher Projekte scheiterten, war immer die Stadt Mönchengladbach Schuld, nach dem Motto: Sie hat’s mal wieder nicht auf die Reihe bekommen. Gilt das auch heute noch?
Das war sicherlich früher manchmal der Tenor in der Öffentlichkeit, aber wir stellen fest, dass diese Stimmung kippt. Die Bürger merken: Die Stadt hat in den vergangenen Jahren eine Menge hinbekommen. Das Minto ist super geworden, wir haben im Nordpark und im Regiopark eine tolle Entwicklung mit mehreren tausend neuen Arbeitsplätzen, der SparkassenPark mit seinen ganzen Veranstaltungen ist ein Publikumsmagnet, der auch in diesem Jahr wieder performen wird, wir haben den Hugo Junkers Hangar mit der Tante Ju… die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Wenn jetzt auch mal Projekte scheitern sollten, werden die Mönchengladbacher das sicher richtig einordnen können. Früher mussten wir nach Düsseldorf oder Köln fahren, wenn wir etwas erleben wollten – das ist heute nicht mehr nötig. Und ich glaube, dass wissen unsere Bürger auch zu schätzen.

Interview, Dr. Ulrich Schückhaus, EWMG, WFMG

Dr. Ulrich Schückhaus mit Redakteur Jan Finken.

Mit WFMG- und EWMG-Geschäftsführer
Dr. Ulrich Schückhaus sprach Jan Finken

 

STICHWORT BEACON-TECHNOLOGIE
Beacons sind kleine Bluetooth-Sender, die zum Beispiel an Regalen, Produkten, Schildern, Türen usw. angebracht werden können. Die kleinen Sender können mit Smartphones kommunizieren und ermöglichen so eine automatisierte Kommunikation mit einzelnen Geräten abhängig von Raum und Zeit. Sind mehrere Sender in einem Raum untergebracht, kann mit Hilfe der Sender der Standort eines Smartphones und damit des Besuchers ermittelt werden. Die Geräte-ID (UUID) des Besuchers wird ermittelt, was ein Tracking des Nutzers auch über mehrere Räume hinweg möglich macht. Insbesondere in geschlossenen Räumen war eine genaue Ortung von Menschen & Geräten bislang schwierig, Beacon ermöglicht dies nun. So wird es zum Beispiel auch möglich, Menschen intelligent durch große Gebäude wie Krankenhäuser oder Flughäfen zu lotsen. Nähert sich ein Smartphone einem Sender, kann dieser gezielt Informationen an das Smartphone senden. So können die eingangs erwähnten Angebote, Aktionen oder weiterführenden Informationen direkt an Smartphones gesendet werden.

 

PERSÖNLICH
Dr. Ulrich Schückhaus, geboren 25. August 1959 in Gevelsberg, aufgewachsen in Mönchengladbach; verheiratet mit Karin van Soest-Schückhaus; drei Kinder
Ausbildung zum Bankkaufmann, BWL-Studium in Köln und PennState (USA)
Promotion zum Dr. rer.pol. am Lehrstuhl für Handel und Absatz der Universität zu Köln
seit 1999 Geschäftsführer der WFMG
seit 2009 Vorsitzender der Geschäftsführung der EWMG