Mönchengladbach. Friedhelm Lange war positiv überrascht. „Das hohe Engagement von Bürgern, aber auch von Unternehmern in der Stadt, ist der nachhaltigste Eindruck, den in meinen ersten Wochen im Amt mitgenommen habe.“ Seit 1. September ist Lange neuer Geschäftsführer der Marketing-Gesellschaft Mönchenglach (MGMG). Er folgt Peter Schlipköter nach, der zwei Jahrzehnte die Geschicke des städtischen Marketings geleitet hat und sich Mitte Dezember in den Ruhestand verabschieden wird. Lange (48) ist offiziell erst knapp 100 Tage im Amt, hat sich aber natürlich weit vor seiner Ernennung als Marketing-Chef mit der Vitusstadt beschäftigt. „Als ich das Anforderungsprofil der ausgeschriebenen Stelle mit meinen Qualifikationen verglichen habe, ergaben sich viele Schnittmengen“, sagt Lange. Und so setzte er sich unter 115 Bewerbern, darunter 40 Frauen, durch. Zuletzt verantwortete Lange bei der sportmarketing-Agentur „Sportfive“ als Senior Director den Bereich Intelligence, Concepts & Creation und war unter anderem für die internationale Vermarktung von Borussia Dortmund verantwortlich.

In seinem neuen Amt wolle er „nicht alles auf links drehen, weil vieles schon gut läuft“. Seinen Stempel will er der MGMG gleichwohl aufdrücken: „Ich frage ziemlich viel: Warum haben wir dies gemacht, warum jenes nicht gemacht. Das kann nerven, aber nur so verschaffe ich mir einen Überblick, an welchen Stellschrauben man in Zukunft drehen muss“, lächelt Lange, der von sich sagt, kritikfähig zu sein. „Umgekehrt nehme ich mir aber auch die Freiheit, Dinge zu hinterfragen und, wenn es nötig ist, zu kritisieren.“ Der Geldener hat spürbar Lust auf seine neue Aufgabe: „Ich habe zwar noch nie konkret im Stadtmarketing gearbeitet, aber ich in den vergangenen 20 Jahren immer mit Wandlungsprozessen zu tun gehabt. Mönchengladbach ist auch im Wandel, vieles ist in Bewegung“, betont Lange. „Die Logiken und die Mechanismen des Marketings trage ich ebenfalls seit zwei Jahrzehnten in mir. Wichtig wird für uns sein, zuzuhören – für mich die Kernaufgabe im Marketing.“ Er will ein Teamplayer sein: „Es geht nicht darum, was ich gut finde, sondern was gut für die Stadt ist. Und kraftvoll wird es erst, wenn jeder aus seinem Silo herauskommt und Ideen zusammenbringt, um etwas Großartiges zu schaffen.“

Veranstaltungen müssen für die Bürger sichtbarer werden

Was die künftigen Veranstaltungen unter Federführung der MGMG angeht, so setzt Lange auf einen guten Mix, der alle gesellschaftlichen Schichten anspricht. Und diese müssen für die Bürger sichtbarer werden, denn das gelang in der Vergangenheit nicht immer. So wurde im Frühjahr eine eigene Webseite „Stadtsommer“ aufgelegt, auf der viele Veranstaltungen in den Sommermonaten aufgeführt waren – die Zahl der Seitenaufrufe waren jedoch ernüchternd. Digitales Marketing ist somit ein weiteres Tool, das Lange nach vorne bringen will: „Wir müssen dem geänderten Nutzerverhalten Rechnung tragen und vielleicht stärker als bisher auf Bewegtbilder setzen“, so Lange.

Antrittsbesuch im Verlag: Der neue MGMG-Geschäftsführer Friedhelm Lange (l.) und Mitarbeiterin Brigitte Dobrzanski (2.v.l.) im Gespräch mit den Redakteuren Sandra Geller und Jan Finken.
Fotos: Hans-Peter Reichartz

Apropos Bewegung: Dem sich von der Stadt selbst verliehenen Label „Sportstadt Mönchengladbach“ will der neue MGMG-Chef neues Leben einhauchen beziehungsweise den Begriff differenzieren: „Wir werden nie eine Sportstadt wie Berlin oder Düsseldorf, dafür fehlen uns die finanziellen Mittel. Aber Mönchengladbach bietet schon viele Bewegungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum. Man muss auch überlegen, ob man etablierten Veranstaltungen wie dem Turmfest – beispielsweise durch die Einbindung des Stadtsportbundes – einen neuen Anstrich gibt.“ Ein Highlight hat sich Lange für 2023 schon rot im Kalender markiert: „Ich freue mich sehr, dass Mönchengladbach vom 12. bis 15. Juni 2023 Host Town der Special Olympics World Games (SOWG) Berlin ist.“ Bei den SOWG nehmen primär Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung teil. Sie treten in homogenen Leistungsgruppen an, sodass alle die Chance auf eine Medaille haben und für ihre individuellen Leistungen geehrt werden. Dabei steht das Sporttreiben von Menschen mit Behinderung gemeinsam mit Menschen ohne Behinderung im Vordergrund. Mönchengladbach ist dabei eine von insgesamt 216 Host Towns in ganz Deutschland. „Dieses Event in der Stadt sichtbar zu machen, wird unsere Aufgabe sein“, so Lange.

„Stadtmarketing und Standortmarketing gehören zusammen“

Friedhelm Lange zweite große Aufgabe neben der MGMG ist die städtische Wirtschaftsförderung, bei der er neben Dr. Ulrich Schückhaus zweiter Geschäftsführer der WFMG ist – einen Spagat, den Lange nicht als solchen ansieht: „Stadtmarketing und Standortmarketing gehören zusammen. Ich muss dem Bürger die Stadt genauso schmackhaft machen wie dem Unternehmer.“ Da Schückhaus erst in zweieinhalb Jahren in Ruhestand geht, ist für Lange bei dieser Stadttochter noch kein dringender Handlungsbedarf: „Das WFMG-Team um Dr. Ulrich Schückhaus und den langjährigen Prokuristen David Bongartz macht einen tollen Job. Ich bin bei allen Sitzungen dabei, um die Themen mitzubekommen, aber mein Schwerpunkt liegt auf der MGMG.“ Nicht nur thematisch, auch räumlich könnten beide städtischen Gesellschaften in Zukunft näher zusammenrücken: Die WFMG hat erst kürzlich neue Räumlichkeiten in den „Stonecutter Offices“ an der Steinmetzstraße bezogen (siehe auch Namen+Nachrichten), zwei Etagen darunter sind noch verfügbar. „Ein Büro ist heutzutage mehr als ein Platz, wo mein PC steht. Es ist ein Ort des Austauschs und der Kommunikation. Die WFMG hat das in ihren neuen Räumlichkeiten sehr gut gelöst.“ Die MGMG dagegen ist seit Jahren in sehr beengten und altbackenen Räumen an der Voltastraße in einem Gebäude der NEW untergebracht. „Ein Umzug ist eine Überlegung, die wir derzeit haben und wird 2023 Thema sein“, verrät Lange, ohne konkreter zu werden.

Es sind natürlich auch für die „neue“ Marketing-Gesellschaft herausfordernde Zeiten. „Alles ist extrem dynamisch, Krisen verschärfen die Situation, das ehrenamtliche Engagement ist – auch durch Corona – zurückgegangen. Wir müssen trotzdem eingetretene Pfade verlassen, uns den Spiegel vorhalten und fragen, was wir besser machen können. Wenn wir Marketing ernst nehmen, müssen wir vom Kunden, sprich dem Bürger her denken“, unterstreicht Friedhelm Lange abschließend.

-jfk

ZUR PERSON

Friedhelm Lange
48 Jahre, verheiratet, zwei Kinder
Hobbys: Familie, Mountain-Bike fahren, Brauchtum

„Ideen zusammenbringen, um etwas Großartiges zu schaffen“
ist ein Beitrag aus dem aktuellen Magazin
Wirtschaftsstandort Mönchengladbach